Berlinale Blogger 2020
Geschichten durch Gesten erzählen

Jogos Dirigidos | Directed Games, Brasilien 2019, Regie: Jonathas de Andrade. Berlinale Forum Expanded 2020.
Jogos Dirigidos | Directed Games, Brasilien 2019, Regie: Jonathas de Andrade. Berlinale Forum Expanded 2020. | © Jonathas de Andrade

„Jogos dirigidos“ (Directed Games) des Brasilianers Jonathas de Andrade läuft im „Forum Expanded“. Der Kurzfilm erzählt seine Geschichten durch Gesten.

Von Camila Gonzatto

Das neue Projekt von Jonathas de Andrade zeigt dem Zuschauer eine Gemeinschaft von Gehörlosen in Várzea Queimada im Bundesstaat Piauí. Der Film reflektiert über Sprache und andere Kommunikationsmöglichkeiten und schafft auf poetische Weise ein Glossar von Gesten und ihren Bedeutungen. Im Interview erzählt der Regisseur über den Entstehungsprozess des Films.

Wie kam es zu dem Projekt?

Der Film entstand aus einem Besuch in der Ortschaft Várzea Queimada auf Einladung von Marcelo Rosenbaum, der dort mit dem Institut „A gente transformava“ ein Projekt mit Palmblattflechterinnnen betreibt. Es ist ein faszinierender Ort. Als ich dort ankam, fielen mir die vielen Gehörlosen auf, die dort, anders als in Großstädten, gut in die Gemeinschaft integriert sind. Sie verteilen sich über mehrere Familien, die inzwischen gelernt haben, sich mit ihnen zu verständigen. Ihre Sprache ist sehr besonders, sehr theatralisch und mimetisch. Erst in jüngerer Zeit, in den letzten zwei Jahren, begann man dort die offizielle Gebärdensprache zu lehren. Ich wollte also unbedingt einen Film über diese Codes machen, als Vorwand, über ihre Geschichten zu sprechen.

Wie war der Entstehungsprozess dieses Films?

Der Titel geht auf ein Buch über Gruppendynamiken zurück, das mein Ausgangspunkt war. Doch alle Übungen darin verlangen, dass geschrien, ein Lied gehört wird, jemand etwas sagt - mit diesem Hindernis fing es an. Der Film zeigt Situationen in der Natur, gruppendynamische Übungen, die sie auf meine Vorschläge hin entstehen ließen, die dann aber angepasst wurden zu etwas, das auch für sie Sinn ergibt. Spontan bat ich, mir Geschichten zu erzählen, und sie begannen mit einem Redeschwall über ihre Leben.

Wie war es, mit diesen Sprachen zu arbeiten?

Der Gedanke der Übersetzung ist nicht unmittelbar. Es gibt einen Filter dessen, was ich dachte, dass es übersetzt sei und der mimetischen Struktur der Gebärdensprache. Das war ein Schlag für mich, aber der Film begann, sich von dieser Begegnung aus selbst zu entwerfen. Die angeleiteten Spiele waren anfangs für sie gedacht, aber der Film funktioniert fast als Vermittler für den Spracherwerb durch uns Zuschauer. Er schafft die Vermittlung mit dem Universum dieser Leute und dieser Region.
 

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