Berlinale-Blogger 2020
Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart

Amazon Mirror, Brasilien 2020. Regie: Fernando Segtowick . Berlinale Panorama. 
Amazon Mirror, Brasilien 2020. Regie: Fernando Segtowick . Berlinale Panorama.  | © Marahu Filmes

„Nardjes A.“ und „Amazon Mirror“, die im Panorama Dokumente laufen, wurden vom Publikum mit Begeisterung gefeiert.

Von Camila Gonzatto

Auf der Suche nach seinen Wurzeln reiste der Regisseur Karim Aïnouz vor einem Jahr nach Algerien. Im Geburtsland seines Vaters fand er Tausende von Demonstranten, die auf den Straßen für Demokratie und gegen die fünfte Kandidatur des Präsidenten Abdelaziz Bouteflika protestierten. Was als persönlicher Streifzug durch das Land geplant war, wurde zu einem Dokumentarfilm, der eine starke politische Bewegung und einen historischen Moment Algeriens zeigt.

Der Film begleitet die Aktivistin Nardjes A. einen Tag lang: Es ist Freitag, 8. März. Die Schauspielerin, Tochter und Enkelin von ehemaligen Unabhängkeitskämpfern, geht voller Enthusiasmus auf die Straße und schließt sich der Masse junger Leute an, zu der aber auch Menschen anderer Generationen gehören. Es ist eine friedliche Demonstration, eher eine Feier mit Musik, Tanz und Theater. Kein Wunder, dass diese Bewegung „Revolution des Lächelns“ genannt wird. „Ich wollte unbedingt über die Hoffnung und die Freude sprechen, auf die ich dort getroffen bin. Ich bin Brasilianer und Algerier. Und das, was in Algerien passiert ist, ist das Gegenteil von dem, was gerade in Brasilien passiert. Da war ein Silberstreif Hoffnung am Horizont der jungen Generation. Ich fand, dass dies aufgenommen werden sollte. So entstand der Film“, erklärte Aïnouz bei der Premiere seines Films in Berlin.

Nardjes A., Algerien, Frankreich, Deutschland, Brasilien, Katar 2020. Regie: Karim Aïnouz. Berlinale Panorama.
Nardjes A., Algerien, Frankreich, Deutschland, Brasilien, Katar 2020. Regie: Karim Aïnouz. Berlinale Panorama. | © Watchmen Productions, MPM Film 
Ausschließlich mit Smartphone gefilmt, zeichnet der Dokumentarfilm die Proteste nicht aus der Sicht eines außenstehenden Beobachters auf, wie es in Zentral Flughafe THF, dem letzten, auf der Berlinale 2018 gezeigten Dokumentarfilm des Regisseurs der Fall war. Dieses Mal taucht der Zuschauer mit der Kamera direkt in das Geschehen ein und schließt sich den Demonstranten bei ihrem Marsch durch die Stadt an, skandiert mit ihnen Parolen. Der hervorragende Ton trägt zu diesem Gefühl bei, auf den Straßen von Algier zu sein.

Amazonien

O Reflexo do Lago (Amazon Mirror) zeigt die Reise des aus Belém im Bundesstaat Pará stammenden Regisseurs Fernando Segtowick zu den Inseln im Tucuruí-See. Der Stausee entstand, als in den 1980er Jahren das große Wasserkraftwerk von Tucuruí gebaut wurde. Vollständig in Schwarzweiß gefilmt, porträtiert der Dokumentarfilm die kleinen lokalen Gemeinschaften und die Auswirkungen, die das Wasserkraftwerk bis heute auf ihre Leben hat. Ironischerweise haben diese Gemeinschaften bis heute keine Stromversorgung. „Wir haben in Schwarzweiß gedreht, um uns von den Bildern eines exotischen Amazoniens zu distanzieren. Wir wollten eine lokale Sicht vermitteln und den Fokus auf die dort lebenden Menschen legen“, erklärte der Regisseur in Berlin.

Top