Berlinale-Blogger 2020
Brasilien schließt mit starker Präsenz in Berlin ab

„Sheytan vojud nadarad“ („Es gibt kein Böses“). Goldener Bär 2020. Regie: Mohammad Rasoulof. Im Bild: Ehsan Mirhosseini. Berlinale Wettbewerb 2020
„Sheytan vojud nadarad“ („Es gibt kein Böses“). Goldener Bär 2020. Regie: Mohammad Rasoulof. Im Bild: Ehsan Mirhosseini. Berlinale Wettbewerb 2020 | Foto (Detail): © Cosmopol Film

Iranischer Film bekommt Goldenen Bären. Der brasilianische „Meu nome é Bagdá“ (My Name Is Baghdad) erhält den Großen Preis der Internationalen Jury der Sektion Generation.

Von Camila Gonzatto

Wieder ist eine Berlinale zu Ende gegangen, mit einer gut unter den Konkurrierenden verteilten Prämierung. Der Goldene Bär ging an den iranischen Film Sheytan vojud nadarad (Es gibt kein Böses) von Mohammad Rasoulof, der in vier Geschichten über die Kraft der Moral und die Todesstrafe unter einem despotischen Regime nachdenkt. Der US-amerikanische Film Never Rarely Sometimes Always von Eliza Hittman erhielt den Großen Preis der Jury. Der Koreaner Hong Sangsoo erhielt den Silbernen Bären für die beste Regie für Domangchin yeoja (The Woman Who Ran). Als beste Schauspielerin wurde Paula Beer ausgezeichnet, die im neuen Film des deutschen Regisseurs Christian Petzold eine zeitgenössische Version der Undine verkörpert, und der Italiener Elio Germanom, Protagonist in Volevo Nascondermi (Hidden Away), erhielt den Silbernen Bären als bester Schauspieler.

Der Spielfilm Meu nome é Bagdá (My Name is Baghdad) der Brasilianerin Caru Alves de Souza erhielt den Großen Preis der Internationalen Jury der Schau Generation 14plus. Der Film um die Protagonistin Bagdá, hervorragend dargestellt von Grace Orsato, zeigt den Alltag einer jugendlichen Skaterin in einer gesellschaftlichen Umgebung von Machismus und Konservatismus. Bagdá lebt in São Paulo und erarbeitet sich Identität und Autonomie in der Annäherung an andere skatende junge Frauen.

Los conductos, coprodução entre França, Colômbia e Brasil, 2020. Diretor: Camilo Restrepo. Na foto: Luis Felipe Lozano. Seção Encounters 2020.
Los conductos, coprodução entre França, Colômbia e Brasil, 2020. Diretor: Camilo Restrepo. Na foto: Luis Felipe Lozano. Seção Encounters 2020. | © 5a7 Films - mutokino - If you hold a stone - montañero cine
Auch zwei Koproduktionen mit brasilianischer Minderheitsbeteiligung wurden ausgezeichnet. Los Conductos (Encounters, Frankreich / Kolumbien / Brasilien) unter der Regie von Camilo Restrepo erhielt den Preis für den besten Erstlingsfilm (GWW Best First Feature Award). Der 16-mm-Film spielt in Kolumbien und erzählt die Geschichte des Protagonisten Pink: In der Suche nach seinen Wurzeln drückt er seinen Wunsch aus, die Welt zu verändern. „Ich habe diesen Film für die Jugendlichen gemacht, die glauben, keine Zukunft in dieser Gesellschaft zu haben“, sagte der Regisseur bei der Preisverleihung. Chico ventana también quisera tener un submarino (Window Boy Would Also Like to Have a Submarine), eine Koproduktion zwischen Uruguay, Argentinien, Brasilien, Niederlande und Philippinen unter der Regie von Alex Piperno erhielt den Preis der Leserjury des Tagesspiegel.

Insgesamt 19 brasilianische Filme wurden dieses Jahr in diversen Sektionen des Festivals in Berlin gezeigt. Die Filme traten mit unterschiedlichem Publikum in Dialog und zeigten die Diversität der brasilianischen Filmproduktion durch die Präsentation von Akzenten der unterschiedlichen Regionen und unterschiedlicher Ästhetiken. Trotz der immer größeren Schwierigkeiten, unter denen brasilianische Filmschaffende angesichts von Kürzungen im audiovisuellen Bereich durch die Regierung arbeiten müssen, steht zu hoffen, dass diese Filme auch in die brasilianischen Kinos und so auch im Land selbst mit dem Publikum in Dialog treten können.
 

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