50 anos Goethe-Institut Porto Alegre / 60 anos Instituto Cultural Brasileiro-Alemão

Anlässlich seines fünfzigjährigen Bestehens veranstaltete das Goethe-Institut Porto Alegre 2015 ein umfangreiches Programm. Gemeinsam mit seinem Trägerverein Instituto Cultural Brasileiro-Alemão, der 2016 sein 60. Jubiläum feierte, lud das Institut im September, Oktober und November 2015 jeden Donnerstagabend zu Filmvorführungen, Konzert, Ausstellungseröffnung, Theateraufführung, Lesung oder Podiumsdiskussion ein. Drei Monate lang wurde vor dem sechsstöckigen Gebäude im Stadtteil Moinhos de Vento der grüne Teppich ausgerollt, der den „Quintas Verdes“ ihren Namen gab. Die Veranstaltungen wurden immer gemeinsam mit einem Partner des Goethe-Instituts gestaltet:

  • Ausstellung „Ensaio sobre uma ordem das coisas“ von Marina Camargo. Die Ausstellung wurde als eine der 10 besten Ausstellungen in Porto Alegre 2015 auf der Best of-Liste des Kunstkritikers Francisco Dalcol in der Tageszeitung Zero Hora gelistet.
  • Aufführung des Theaterstücks „Muttersprache Mameloschn“ von Marianna Salzmann, Regie Mirah Laline, gemeinsam mit dem Festival Porto Alegre em cena. Die Inszenierung wurde mit dem Prêmio Braskem 2015 ausgezeichnet und Mirna Spritzer erhielt den Theaterpreis Açorianos 2015 als beste Hauptdarstellerin in der Rolle als Clara. Im März 2015 wurde die Produktion zu einem Gastspiel ans Stadttheater Ludwigshafen eingeladen.
  • Feierliche Überreichung der Goethe-Medaille an Eva Sopher, Präsidentin des Theatro São Pedro, begleitet von einem Konzert des Quinteto Porto Alegre. Weil sie selbst die weite Reise nach Deutschland nicht mehr antreten konnte, hatte ihre Tochter Renata Rubim die Medaille in Weimar entgegengenommen und bei dieser Nachfeier offiziell an ihre Mutter überreicht.
  • Stummfilmkonzert: „Der müde Tod“ von Fritz Lang mit Livemusik des Trios Cue (Rodrigo Ruffini, Mariano Federico Poc und Germán Suane), aus Argentinien in Kooperation mit dem langjährigen Partner FANTASPOA
  • Konzert / Jam session mit Roger Hanschel (sax), Pedro Tagliani (guit) und als Gast Eva Mayerhofer (vocals)  Kompositionen von Roger Hanschel und Pedro Tagliani ("Bom dia" und "Levando a vida") 
  • Ausstellung „Wandeln zwischen Druckgrafik und Nashörnern“ anlässlich des 500jährigen Jubiläums von Dürers Holzschnitt „Rhinozerus 1515“ mit Werken von 18 Künstlern aus Argentinien, Brasilien, Deutschland, Spanien und den USA, die diese eigens für die Ausstellung produziert hatten.  Begleitend fand ein zweitägiges internationales Seminar statt, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Druckgrafik des Instituts der Künste an der Staatlichen Universität Rio Grande do Sul
  • Podiumsdiskussion mit Uwe Timm über sein Buch „Die Entdeckung der Currywurst“ anlässlich des Erscheinens der brasilianischen Übersetzung. Auf dem Podium der Literaturwissenschaftler Gerson Neumann, Moderation Katia Suman. Anschließend gab es Currywurst für alle. In Zusammenarbeit mit dem Literaturfestival FESTIPOA und der Buchmesse
  • Gemeinsam mit dem Filmfestival Cine Esquema Novo zeigte das Goethe-Institut zwei Brasilienpremieren: den Film „Freie Zeiten“ von Janina Herhoffer und „O sonho, o limiar e a passagem que metamorfoseia“, ein Kurzfilm von Gustavo Spolidoro, den er im und für das Goethe-Institut, lose inspiriert durch Benjamins Passagenwerk, gedreht hatte. 
  • Teilen und Tauschen“, eine Podiumsdiskussion mit Joseph Vogl,  Ricardo Orzi, Luiz Inácio Gaiger und Gláucia Campregher zum Thema Globale Finanzwirtschaft und die Alternativen. In Zusammenarbeit mit der Vila Flores fand an den folgenden zwei Tagen ein Seminar über alternative Wirtschaftsformen und ein Workshop mit der brasilianischen Forscherin Lenara Verle statt, bei dem auf spielerische Weise erste Erfahrungen mit einer alternativen Währung gesammelt wurden.
Das Jubiläumsprogramm ergab zusammengenommen ein Bild der Kooperationen mit lokalen Festivals, Institutionen, Bildenden Künstlern, Theatermachern, Musikern und Filmemachern. Es zeigte, wie das Goethe-Institut im Kulturleben der Stadt verankert ist.

Den Abschluss des Jubiläumsprogramms bildete ein Festival der Künste. Kuratorin: Fernanda Albuquerque, Produktion: Angélica Seguí, Sponsoren: Kulturministerium und die Firma Stihl. Nach einer öffentlichen Ausschreibung wählte eine Fachjury drei Projekte aus, die von Künstlern verschiedener Sparten gemeinsam entwickelt wurden. Erlaubt waren alle Formate: Performance, Installation, Intervention, Projektion, Radiosendung, etc. Voraussetzung war nur, dass das Projekt mindestens zwei unterschiedliche Disziplinen wie z.B. Musik und Bildende Kunst oder Film und Performance verbindet. Auf diese Weise wurde das Goethe-Institut seiner Rolle gerecht, kreative Experimente und den Dialog zwischen den Kulturschaffenden der unterschiedlichen Sparten zu fördern. Folgende drei ausgewählte Projekte wurden während einer Woche an verschiedenen Orten in der Stadt präsentiert: Corte Seco, eine performative Installation von Ismael Caneppele und Carina Levitan, die mit Sound-Elementen, Texten, Projektionen und Performance von der Annäherung und schließlich Verschmelzung zweier Universen erzählte; Cinema Sinergético, ein Multimedia-Spektakel des Duos Anvil Fx (Paulo Beto und Bibiana Graeff) und VJs Modular Dreams (Priscilla Cesarino und Danilo Barros); Fábrica de Calcinha, eine performatische Auseinandersetzung mit dem Soundscape Porto Alegres, von Marina Mendo, Ricardo Pavão, Rossendo Rodrigues und Marta Felizardo. 

Wie bei jedem Geburtstag wurde aber auch gefeiert. Bei der Eröffnungsfeier des Jubiläumsprogramms mit der Gruppe Marmota Jazz wurde das Gesamtprogramm vorgestellt. Bei der  Abschlussfeier im Dezember 2015 in Anwesenheit von Prof. Dr. Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, spielten alle im Laufe des Vierteljahrs beteiligten Musiker ein von Julio Herrlein eigens zum Jubiläum komponiertes Ständchen: Canção Solar 

Die Jahresfeier zum 60. Jahr des Instituto Cultural Brasileiro-Alemão wurde am 20. Oktober 2016 mit einem Konzert des Duos Leonardo Winter (Querflöte) und André Carrara (Klavier) begangen. Anschließend stellten Goethe-Institut und ICBA den gemeinsam herausgegebenen Katalog zur Ausstellung „Rhinocerus – Druckgrafik, Wort, Imagination“ vor.

Wer mehr über die Geschichte beider Institutionen wissen will, kann sich in der Jubiläumszeitung informieren oder durch die Wortwolke surfen, die in 50 Wörtern die bemerkenswertesten Veranstaltungen und Aktivitäten aus 50 Jahren erzählt. Und wer das im Goethe-Institut machen will, kann das auf der benutzbaren Installation des Künstlers Rommulo Vieira Conceição tun, die er anlässlich des Jubiläums speziell für die Eingangshalle des Goethe-Instituts kreiert hat. Diese künstlerische Intervention mit dem Titel „O Meu e o Seu Espaços se Encontram em àrea de Cor Tênue”.  

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