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12:00–18:00 Uhr
Ausstellung "Spiele des Südens"
Ausstellung|Ausstellung
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Centro Municipal de Arte Hélio Oiticica, Rio de Janeiro
Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro mit Mitteln des künstlerischen Ausdrucks begleiten, die das Spielerische neben das Nachdenken stellen, ist Ziel eines Projekts, das versucht, Ereignisse dieser Art zu entmythologisieren, die nicht selten eher der Rhetorik des Politischen, dem Stadtmarketing und der Immobilienspekulation verbunden sind als einer gesunden Interaktion von Individuum und Gesellschaft.
In diesem Sinne schlägt „Spiele des Südens“ ein Nachdenken über die sozialen Auswirkungen vor und darüber, ob ein weiteres sportliches Großereignis von internationalen Ausmaßen (s. Weltmeisterschaft 2014 und die Ersten Weltspiele der Indigenen Völker 2015) in Brasilien tatsächlich benötigt wird. Die Herausforderung ist also, das Thema der Spiele in seiner globalen Dimension zu erfassen, aus der Nähe zu beobachten, wie ein Ereignis dieser Größenordnung eine Stadt verändert, und wie dies unmittelbar in den Alltag eingreift. Betont sei dabei, dass im Zentrum der Betrachtung nicht der Wettkampfsport steht, erst recht nicht die täglich im Fernsehen verbreiteten Gegebenheiten, sondern es geht darum, das Thema Spiele abseits des Scheinwerferlichts zu erörtern, um anschließend mit Mitteln der zeitgenössischen Kunst und ihres kritischen Charakters einen Kontrapunkt zur Olympiade zu setzen.
Die Beteiligten, eine heterogene Gruppe - acht brasilianische Künstler, eine brasilianische Filmemacherin, ein bolivianischer Künstler, eine deutsche Künstlerin, ein Künstler aus Singapur, eine deutsche Journalistin, ein Schweizer Journalist, eine brasilianische Soziologin und eine portugiesische Anthropologin –, von Berufswegen gewohnt, sich zwischen unterschiedlichen Kunstgebieten zu bewegen und vertraut mit der Praxis der Feldstudie und/oder künstlerischer Residenzen, traten in einen lebendigen Dialog mit den visuellen Künsten.
Der Kontext dieser Begegnung von visuellen Künsten, Sport und indigener Kultur regte die Arbeit der Gruppe an mit dem Ziel, die Auswirkungen eines sportlichen Großereignisses in Brasilien noch vor den Olympischen Spielen 2016 zu erkunden. Das Experiment funktionierte wie ein Laboratorium, in dem Ideen geteilt wurden und unerwartete Situationen entstanden - und weckte Interesse an anderen Fragen, wie beispielsweise an Aspekten indigenen Lebens.
Betritt man die Ausstellung, trifft man sogleich auf eine elektronische Skulptur von Paulo Nenflidio, die mit einer Roboterstruktur Zentrifugalkräfte simuliert, die durch Tauziehen freigesetzt werden. Der Zuschauer beginnt seinen Besuch in der Begegnung mit dieser Spannung, gefangen von der Verführungskraft des technischen Apparats und der von ihm evozierten Gewalt. Eine Haltung, die sich in den Fotografien von Romy Pocztaruk mit ästhetischen Bildern von den olympischen Ruinen von Sarajevo fortsetzt.
Im Kontrast dazu steht das Video von Cristiano Lenhardt, das uns in die Lebenswelt der Guaracis einführt, eine Gruppe von Stadtnomaden, die sich von unkonventionellen Pflanzen der Stadt ernährt und ihre Kultur dadurch bewahrt, dass sie Kenntnisse von Generation zu Generation weitergibt. Eine Arbeit, die in Dialog tritt mit der Recherche von Bernardo Zabalaga, der eine „neue indianische“ Identität, frei von Vorurteilen und den begangenen historischen Gräueltaten, konstruiert.
Igor Vidor und Guilherme Teixeira dagegen errichten eine Installation für ein „Scheibenschießen“ mit Spielzeugwaffen (sogenannten NERF-Pistolen), die von den Besuchern selbst auf indigene Objekte, Sportmaskottchen und Puppen abgefeuert werden. Eine interaktive Arbeit rund um den Gedanken des „Kinderspiels“ als Metapher für soziale Aggression.
Igor Vidor allein zeigt außerdem eine Reihe von Videoframes von der Räumung und Zerstörung des Stadtviertels Vila Autódromo, wo heute für Olympia gebaut wird. Ebenfalls mit den Mitteln der Wiederholung und aus einer Perspektive unerreichbarer Assertivität schießt Guilherme Teixeira ununterbrochen Pfeile ins Unendliche. Arbeiten, die für die Hartnäckigkeit des Künstlers im permanenten Bemühen um die Bewahrung seiner Ideale stehen.
Antje Mejawski zeigt ein eher dokumentarisches Video mit Bildern und Tönen von den Weltspielen Indigener Völker ausgehend von einer Recherche über den aktuellen Gebrauch von Pfeil und Bogen, die versucht auszuloten, wie diese Jagdwaffe zum Sportinstrument wurde und zugleich zu einem kommerziellen Objekt des Begehrens. Denselben investigativen Ansatz zeigen Anna Azevedos Bilder von Momenten des Events in einem für dessen Verständnis fundamentalen Video.
Autoren: Alfons Hug und Paula Borghi
Übersetzung: Michael Kegler
In diesem Sinne schlägt „Spiele des Südens“ ein Nachdenken über die sozialen Auswirkungen vor und darüber, ob ein weiteres sportliches Großereignis von internationalen Ausmaßen (s. Weltmeisterschaft 2014 und die Ersten Weltspiele der Indigenen Völker 2015) in Brasilien tatsächlich benötigt wird. Die Herausforderung ist also, das Thema der Spiele in seiner globalen Dimension zu erfassen, aus der Nähe zu beobachten, wie ein Ereignis dieser Größenordnung eine Stadt verändert, und wie dies unmittelbar in den Alltag eingreift. Betont sei dabei, dass im Zentrum der Betrachtung nicht der Wettkampfsport steht, erst recht nicht die täglich im Fernsehen verbreiteten Gegebenheiten, sondern es geht darum, das Thema Spiele abseits des Scheinwerferlichts zu erörtern, um anschließend mit Mitteln der zeitgenössischen Kunst und ihres kritischen Charakters einen Kontrapunkt zur Olympiade zu setzen.
KREATIVE PROZESSE UND EINIGE HYPOTHESEN
Die Ersten Weltspiele der Indigenen Völker, Oktober 2015 in Palmas (Bundesstaat Tocantins) - als mehr als 2000 Sportlerinnen und Sportler sich in traditionellen Disziplinen begegneten - waren Ausgangspunkt des Projekts „Spiele des Südens“. Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler realisierten in der Stadt ihre Recherchen, die in Kunstwerke einflossen, welche schließlich im Centro Hélio Oiticica (Rio de Janeiro) gezeigt wurden.Die Beteiligten, eine heterogene Gruppe - acht brasilianische Künstler, eine brasilianische Filmemacherin, ein bolivianischer Künstler, eine deutsche Künstlerin, ein Künstler aus Singapur, eine deutsche Journalistin, ein Schweizer Journalist, eine brasilianische Soziologin und eine portugiesische Anthropologin –, von Berufswegen gewohnt, sich zwischen unterschiedlichen Kunstgebieten zu bewegen und vertraut mit der Praxis der Feldstudie und/oder künstlerischer Residenzen, traten in einen lebendigen Dialog mit den visuellen Künsten.
Der Kontext dieser Begegnung von visuellen Künsten, Sport und indigener Kultur regte die Arbeit der Gruppe an mit dem Ziel, die Auswirkungen eines sportlichen Großereignisses in Brasilien noch vor den Olympischen Spielen 2016 zu erkunden. Das Experiment funktionierte wie ein Laboratorium, in dem Ideen geteilt wurden und unerwartete Situationen entstanden - und weckte Interesse an anderen Fragen, wie beispielsweise an Aspekten indigenen Lebens.
DIE AUSSTELLUNG
Ausgehend von dem in Palmas Erlebten, erweitert um den Erfahrungsschatz und die poetische Intention eines jeden Teilnehmers dieses Projekts, zeigt die Ausstellung Arbeiten mit sehr unterschiedlichen Stimmen. Das Konzept der Kuratoren zielt auf ein für eklektische Gedanken offenes Feld, das die Einzigartigkeit jedes Künstlers und jeder Künstlerin achtet und aus der Vielfalt der Sprachen einen pluralen Korpus schafft.Betritt man die Ausstellung, trifft man sogleich auf eine elektronische Skulptur von Paulo Nenflidio, die mit einer Roboterstruktur Zentrifugalkräfte simuliert, die durch Tauziehen freigesetzt werden. Der Zuschauer beginnt seinen Besuch in der Begegnung mit dieser Spannung, gefangen von der Verführungskraft des technischen Apparats und der von ihm evozierten Gewalt. Eine Haltung, die sich in den Fotografien von Romy Pocztaruk mit ästhetischen Bildern von den olympischen Ruinen von Sarajevo fortsetzt.
Im Kontrast dazu steht das Video von Cristiano Lenhardt, das uns in die Lebenswelt der Guaracis einführt, eine Gruppe von Stadtnomaden, die sich von unkonventionellen Pflanzen der Stadt ernährt und ihre Kultur dadurch bewahrt, dass sie Kenntnisse von Generation zu Generation weitergibt. Eine Arbeit, die in Dialog tritt mit der Recherche von Bernardo Zabalaga, der eine „neue indianische“ Identität, frei von Vorurteilen und den begangenen historischen Gräueltaten, konstruiert.
EINE ANDERE ART DES SPIELS
Den Gedanken des Spiels aufgreifend errichtet Marcone Moreira ein Tableau aus 32 Schachbrettern aus dem Holz unterschiedlicher brasilianischer Regionen, Rizman Putra zeigt fiktionale Kuriositäten des aus Malaysia stammenden Spiels „Rumah Dayak“ und Samuel Herzog lädt professionelle Kunstschaffende zu einem unendlichen Marathon durch Rio de Janeiro ein. Es sind Arbeiten, die eine eher direkte Parallele zum Sport ziehen, wenngleich gegenläufig zu den olympischen Zielen, denn hier geht es nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren.Igor Vidor und Guilherme Teixeira dagegen errichten eine Installation für ein „Scheibenschießen“ mit Spielzeugwaffen (sogenannten NERF-Pistolen), die von den Besuchern selbst auf indigene Objekte, Sportmaskottchen und Puppen abgefeuert werden. Eine interaktive Arbeit rund um den Gedanken des „Kinderspiels“ als Metapher für soziale Aggression.
Igor Vidor allein zeigt außerdem eine Reihe von Videoframes von der Räumung und Zerstörung des Stadtviertels Vila Autódromo, wo heute für Olympia gebaut wird. Ebenfalls mit den Mitteln der Wiederholung und aus einer Perspektive unerreichbarer Assertivität schießt Guilherme Teixeira ununterbrochen Pfeile ins Unendliche. Arbeiten, die für die Hartnäckigkeit des Künstlers im permanenten Bemühen um die Bewahrung seiner Ideale stehen.
DER IMAGINÄREN KONSTRUKTION DES INDIGENEN MENSCHEN WIDERSPRECHEN
Indigene Fragen aufgreifend zeigt Paulo Nazareth, wie man mit Federn von toten, von ihm selbst gefundenen Vögeln, eine Federkrone herstellt. Yuri Firmeza und Igor Vidor drehen dagegen einen Videoclip mit der auf Guarani singenden Gruppe Brô Mc’s. Zwei sehr unterschiedliche Aktionen, die beide deutlich gegen das stereotypische Modell der imaginären Konstruktion des indigenen Menschen stehen.Antje Mejawski zeigt ein eher dokumentarisches Video mit Bildern und Tönen von den Weltspielen Indigener Völker ausgehend von einer Recherche über den aktuellen Gebrauch von Pfeil und Bogen, die versucht auszuloten, wie diese Jagdwaffe zum Sportinstrument wurde und zugleich zu einem kommerziellen Objekt des Begehrens. Denselben investigativen Ansatz zeigen Anna Azevedos Bilder von Momenten des Events in einem für dessen Verständnis fundamentalen Video.
KONTRAPUNKT ZUM OLYMPISCHEN SPEKTAKEL
Der Korpus der Werke versteht sich vor allem als ein Kontrapunkt zum olympischen Spektakel in Hinblick auf eine Wiederentdeckung der alten Tugenden des geheiligten Olivenhains von Olympia. Wir wollen dem olympischen Sport die Fähigkeit nicht absprechen, große Erzählungen und erhabene Szenen zu schaffen, die über den Alltag hinaus in Bereiche der Utopie vorzudringen vermögen. Doch dieser positive und kathartische Effekt kann nicht über ein Dilemma hinwegtäuschen.Autoren: Alfons Hug und Paula Borghi
Übersetzung: Michael Kegler
Ort
Centro Municipal de Arte Hélio Oiticica
R. Luís de Camões
Centro
Rio de Janeiro
Brasilien
R. Luís de Camões
Centro
Rio de Janeiro
Brasilien
Öffnungszeiten: Mo-Mi-Fr: 12 bis 18 Uhr; Di-Do-Sa: 10 bis 18 Uhr; So geschlossen
Ort
Centro Municipal de Arte Hélio Oiticica
R. Luís de Camões
Centro
Rio de Janeiro
Brasilien
R. Luís de Camões
Centro
Rio de Janeiro
Brasilien
Öffnungszeiten: Mo-Mi-Fr: 12 bis 18 Uhr; Di-Do-Sa: 10 bis 18 Uhr; So geschlossen