Angemessene Verbesserung Korrekturmodus im DaF-Unterricht

Korrektur im DaF-Unterricht: Einfühlungsvermögen ist gefordert!
Korrektur im DaF-Unterricht: Einfühlungsvermögen ist gefordert! | Foto: The Power of Forever Photography © iStockphoto

Kaum ein Thema bereitet DaF-Dozenten so viel Kopfzerbrechen wie die Frage nach der angemessenen Korrektur. Ein Patentrezept scheint es nicht zu geben, zumal es von verschiedenen Faktoren abhängt, wann und wie zu korrigieren ist.

Nicht nur Schüler haben ihre liebe Not, Korrekturen zu verstehen und nachhaltig umzusetzen. Im laufenden Unterricht sieht sich auch der Lehrer mit unzähligen Äußerungen konfrontiert, die er in Sekundenschnelle analysieren, gegebenenfalls berichtigen und als Korrektur an den Lerner zurückspielen muss. Kurzum: Ist ein Fehler auf dem Papier schnell behoben, kann eine Berichtigung in der mündlichen Kommunikation, besonders bei mangelnder Vertrauensbasis, schon mal in Stress ausarten – und zwar für Schüler wie Lehrer. Stimmt die Chemie im Klassenzimmer hingegen, können Korrekturen viel besser als das angenommen werden, was sie de facto sind: Eine Reaktion auf eine falsche Aussage, die der Lehrer, obgleich Fehler immer auch ein Anzeichen für Lernfortschritt sind, so noch nicht akzeptieren sollte. Unstimmigkeiten entstehen weniger durch die Tatsache, dass verbessert wird, als dadurch, wie dies geschieht. Einfühlungsvermögen ist gefordert, besonders wenn es um unsichere Sprecher geht. Denn: „Ein Äußerungswunsch kann durch eine Korrektur auch regelrecht kaputt gemacht werden“, erklärt Dr. Martina Liedke, Linguistin und Fremdsprachendidaktikerin am Institut für Deutsch als Fremdsprache der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Korrekturtypen

Wer unterbrochen wird, wenn er von seinen Hobbys erzählt, sagt unter Umständen lieber gar nichts mehr. Klaus Blex weist in seiner Dissertation Zur Wirkung mündlicher Fehlerkorrekturen im Fremdsprachenunterricht auf den Fremdsprachenerwerb die Unterbrechung als unbeliebtesten Korrekturtyp aus. Stattdessen wollen Lerner lieber am Ende des Satzes verbessert werden – nicht zu weit vom Fehler entfernt. Explizite Korrekturen („Hier brauchst du den Dativ!“), zum Beispiel bei Grammatikübungen, akzeptieren Schüler in der Regel anstandslos. Auch wenn der Lerner die Gelegenheit zur Selbstkorrektur bekommt, etwa indem der Dozent ihm die falsche Äußerung nochmal vorlegt („Du bist gestern ins Kino gegeht?“), ist er zufrieden. Hingegen kommt die Korrektur in der Wiederholung der Äußerung durch die Lehrkraft, die dabei nicht ausdrücklich auf den Fehler hinweist, weniger gut an: Solche Rephrasierungen mit veränderter Intonation („Du bist gestern ins Kino gegangen?“) mögen Schüler ebenso wenig wie metalinguistische Präventivkorrekturen à la „Denke an den Genitiv!“.

Die Krux an der Sache ist jedoch: Ausgerechnet diese unerwünschten Reparaturtypen verzeichnen die besten Ergebnisse im Erwerb von Grammatik und Lexik. „Andererseits ist es nicht gerade lernfördernd, auf Methoden zurückzugreifen, die Schüler ablehnen“, wirft Dr. Liedke ein. Also doch lieber mittels Mimik und Gestik zur Selbstkorrektur anregen, die wir gerne annehmen, weil sie uns vom muttersprachlichen Alltagsgespräch vertraut ist – dabei aber in Kauf nehmen, dass die Aufforderung in 50 Prozent aller Fälle misslingt? Solange wir über die Vorlieben der Schüler besser im Bilde sind als die Erfolgschancen verschiedener Korrekturmodi, sind Experimentierfreude und gesunder Menschenverstand gefragt.

Schülerwünsche

Fakt ist indes, dass vor allem erwachsene Lerner einen deutlichen Wunsch nach Korrekturen äußern. Bleiben diese, etwa zugunsten eines ungehemmten Gesprächsverlaufs, gänzlich aus, blickt der Lehrer in irritierte Gesichter. Lernerbefragungen zeigen, dass Schüler am Ende längerer Diskussionsrunden gerne eine „abschließende Besprechung, Zusammenstellung und schriftliche Fixierung der Fehler hätten“, betont Dr. Liedke. Ein zehnminütiges Korrektur-Modul nach jeder Unterrichtseinheit entspricht nicht nur den Schülererwartungen, sondern ist auch effizient. Zurückhaltung ist dagegen bei Anfängern geboten, die im neuen Sprachsystem schnell mit Überforderung reagieren. Hier schließen klar kommunizierte „Lern-Deals“ eine Überkorrektur von vornerein aus: Steht etwa das Perfekt auf dem Plan, konzentrieren sich Schüler und Lehrer ausschließlich auf Fehler in der Partizip-II-Bildung.

Korrekturen durch Mitschüler entlasten bekanntlich Hierarchien und können im harmonischen Klassenverbund durch neue Rollenzuweisung (Schüler als „Lehrer“) ausgesprochen lernfördernd sein. Die Phase der Hausaufgabenkontrolle bietet sich an, um Lerner an gegenseitige Korrekturen heranzuführen. In der Unterrichtspraxis macht dann Lerner A einen Vorschlag, den Lerner B entsprechend berichtigen darf. Die fortgeschrittene Version lagert noch mehr Verantwortung aus: Ein jeweils anderer Schüler sammelt als „Korrektor des Tages“ Fehler, die abschließend im Plenum besprochen werden.

Reflexion

Bei allem wohlwollenden Korrektureifer sollten Lehrer im Hinterkopf behalten: Damit die Motivation anhält, brauchen Schüler Erfolgserlebnisse. Die Frage, ob wir Richtiges ausreichend wertschätzen, ist also durchaus berechtigt. Wer korrigiert, muss sich gleichzeitig fragen, ob Anerkennung und Kritik in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Ein „Gut, aber“ ist manchmal nicht genug. Oftmals bringt erst ein alleingestelltes Lob wie „schön ausgedrückt“ oder andere Auszeichnungen (Lobkärtchen, kleine Preise etc.) den Lernprozess in Fahrt. Der Kreative ist hier König – vorausgesetzt, es gefällt beiden Seiten. Das eigene Korrekturverhalten immer wieder zu überdenken und Flexibilität zu bewahren, ist zwar kein Patentrezept, aber eine gute Strategie für einen angemessenen Umgang mit diesem komplexen Thema.