Die Band
Raggabund – „Multikulturellen Bands gehört die Zukunft“

Raggabund Foto: Paolo Sarti.

Von September bis November 2015 tourte Raggabund durch Brasilien und Südamerika. Die Band steht für ein buntes, multikulturelles Deutschland. Die Musiker singen auf Deutsch, Spanisch oder Englisch über das Leben, die Liebe, aber auch über soziale Ungerechtigkeit und Toleranz. Musikalisch wechseln sie spielerisch zwischen den Genres, ob Dancehall-Ragga, Latinbeat, satter Hip-Hop oder entspannte Ballade. Im Interview sprechen die Brüder Don Caramelo und Paco Mendoza über ihre Liebe zu Lateinamerika.

Ihr wart das letzte Mal im Jahr 2013 in Mexiko und Guatemala unterwegs. Warum tourt ihr so gerne durch Lateinamerika?

Caramelo: Unsere Mutter ist Peruanerin, unser Vater deutschstämmiger Paraguayer. Wir haben die ersten Jahre unseres Lebens in Brasilien, Argentinien, Nicaragua und Honduras verbracht und sind auch nach unserem Umzug nach München immer wieder nach Peru und Paraguay gereist, um Verwandte zu besuchen. Daher fühlen wir uns in Lateinamerika zu Hause. Außerdem haben wir dort die Möglichkeit, Konzerte komplett auf Spanisch zu spielen. Es ist schon geil, wenn die Leute die Texte verstehen und dementsprechend anders auf den Sound abgehen.

Paco: Aber auf Konzerten dort verlangen die Leute auch häufig nach unseren deutschen Songs. Es gibt lateinamerikanische Fans, die können manche deutschen Liedtexte komplett auswendig lautmalerisch mitsingen, ohne ein Wort zu verstehen.

Ihr sprecht beide Sprachen fließend – wie entscheidet ihr, ob ihr einen Songtext auf Deutsch oder Spanisch schreibt? Gibt es manche Dinge, die sich in der einen Sprache besser ausdrücken lassen als in der anderen?

Paco: Nein, das hängt davon ab, wen wir ansprechen wollen. Ein gutes Beispiel ist unser Song Refugee, zu dem uns die Flüchtlingsproteste in Berlin und Bayern inspiriert haben. Mit dem Lied richten wir uns vor allem an Deutsche, die gegen Asylbewerberheime protestieren. Wir wollen ihnen sagen: „Wacht doch mal auf, vor 70 Jahren wart ihr selbst Vertriebene, wie könnt ihr jetzt gegen Flüchtlinge auf die Straße gehen?“ Dieses Problem gibt es in Lateinamerika weniger, dort ziehen ja mehr Menschen weg.

Caramelo: Es gibt aber auch Themen, bei denen die Sprache egal ist, bei Partysongs zum Beispiel. Man kann auf allen Sprachen feiern. Und wenn man über Liebe singen möchte, geht das sowohl auf Spanisch als auch auf Deutsch ganz wunderbar.

Paco: Wobei ich schon oft deutsche Liebeslieder geschrieben habe, weil das Mädchen, in das ich verliebt war, halt eine Deutsche war.

In euren Songtexten äußert ihr euch oft zu gesellschaftlichen Themen. Fühlt ihr als Musiker eine soziale Verantwortung?

Paco: Wir fühlen uns zu nichts verpflichtet, schließlich sind wir keine Politiker. Aber es gibt viele Missstände auf der Welt, die uns betroffen machen und wenn wir gerade in der entsprechenden Stimmung sind, schreiben wir darüber. Musik bedeutet ja immer auch, Emotionen rauszulassen.

Wie wichtig sind eure familiären Wurzeln für eure Musik?

Caramelo: Unsere Eltern sind beide sehr musikalisch, sie haben uns zur Musik gebracht. In unseren Songs vermischen wir bis heute lateinamerikanische und europäische Facetten zu unserer eigenen Melange. Als Verbindungsmittel zwischen den verschiedenen Stilen dient uns immer wieder der Reggae.

Bei euren Projekten stammen die Musiker und Produzenten fast immer aus unterschiedlichen Ländern. Warum zieht es euch immer zu Menschen, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben als ihr selbst?

Caramelo: Wir glauben, dass multikulturellen Bands die Zukunft gehört. Die Welt ist einfach ein globales Dorf. Sich nur auf Nationalitäten oder eine musikalische Richtung zu beschränken würde uns viel zu sehr limitieren. Du kochst ja auch nicht nur mit Zwiebeln und Tomaten, sondern versuchst, alle Zutaten zu mischen, erst dann wird es lecker.

Paco: Je globaler, desto besser. Wir finden es toll, neue Leute kennenzulernen, auf verschiedene Kontinente eingeladen zu werden und Konzerte auf der ganzen Welt zu spielen. Aber heute müssen Musiker gar nicht mehr am selben Ort sein, um tolle Projekte zu starten.

Caramelo: Das Internet schafft alle Distanzen ab. Man kann Konferenzen schalten und Files in Windeseile hin und her schicken.

Paco: Ich habe schon Singles mit Produzenten rausgebracht, die ich noch gar nicht persönlich kennengelernt habe.

Für die Produktion eures neuen Albums „Buena Medicina“ habt ihr erfolgreich über die Crowdfunding-Plattform Startnext Geld gesammelt. Warum habt ihr euch für diesen Weg entschieden?

Caramelo: Wir haben gemerkt, dass die musikalischen Strukturen heute anders sind als noch vor 15 Jahren, als wir angefangen haben, professionell Musik zu machen. Man muss viel mehr selbst in die Hand nehmen, kann aber gleichzeitig auch vieles erreichen, solange man eine Community hat, die einen unterstützt. Das hat bei unserer Aktion super funktioniert und es war echt schön, direktes Feedback von den Fans zu bekommen.

Paco: Herausgekommen ist ein deutsches Roots-Reggae-Album – das gab es in Deutschland schon lange nicht mehr. Getextet haben wir wie immer auf Spanisch und Deutsch. Es klingt sehr handgemacht, weil wir auf digitale Beats verzichtet und alle Lieder mit der Band The Dubby Conquerors aufgenommen haben. Jetzt sind wir natürlich gespannt, wie die Musik ankommt.