Lesung und Gespräch Lesung und Gespräch mit Hans-Ulrich Treichel unter Moderation von Marcelo Backes

Bücher von Hans-Ulrich Treichel © Goethe-Institut

Fr, 30.09.2016

Goethe-Institut Rio de Janeiro. Bibliothek

Rua do Passeio, 62 | 2. Stock
Zentrum
20021-290 Rio de Janeiro

Hans-Ulrich Treichel liest aus seinem Werk "Menschenflug"

Das Goethe-Institut und die Bundesuniversität Universidade Federal Fluminense (UFF) mit Unterstützung des Deutschen Literaturfonds führen im Jahre 2016 das Writers-in-Residence-Programm fort. In diesem Jahr freuen wir uns, den deutschen Autor Hans-Ulrich Treichel in Rio begrüßen zu dürfen.

Hans-Ulrich Treichel, am 12.8.1952 in Versmold/Westfalen geboren, lebt in Berlin und Leipzig. Er studierte Germanistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 1984 mit einer Arbeit über Wolfgang Koeppen. Er war Lektor für deutsche Sprache an der Universität Salerno und an der Scuola Normale Superiore Pisa. Von 1985-1991 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin und habilitierte sich 1993. Seit 1995 ist Hans-Ulrich Treichel Professor am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig. Abgesehen davon ist er Prosaautor, Dichter, Essayist und Librettist.

Er gewann 2005 den Hermann-Hesse-Preis  für „Menschenflug“. Bisher veröffentlichte er u.a die Romane „Der Verlorene“, „Menschenflug“ und  „Der irdische Amor“. In Brasilien wurden die portugiesischen Übersetzungen von Tristanakkord („O acorde de Tristão“, 2003) und  der Verlorene („O perdido“, 2001), beide vom Verlag Companhia das Letras herausgegeben.

MENSCHENFLUG
Zwischen Erinnerungssehnsucht und Vergessen wollen.
 
Zwischenbilanzbedarf. Phantomschmerz. Generationsschicksal.
 
All das sind Begrifflichkeiten, die Hans-Ulrich Treichels außergewöhnliches und raffiniertes Werk „Menschenflug“ seinen melancholischen, dennoch humoristischen Charakter verleihen.
 
Stephan, ein Mittelbau-Akademiker, der getrost als in die Jahre gekommener Ich-Erzähler aus dem Vorgänger „Der Verlorene“ bezeichnet werden darf, braucht eine Auszeit. Eine Auszeit von seiner Stelle als Akademischer Rat an der FU Berlin, von seiner Familie und vielleicht auch ein stückweit von sich selbst. Medizinische Schmerzen und Herkunftssehnsüchte nach seinem auf der Flucht der Eltern verloren gegangenen Bruder erschweren zudem sein Leben. Zerrissen von einer Ambivalenz einerseits seinen Bruder zu finden und andererseits seine gehasste Vergangenheit hinter sich zu lassen, schildert der Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel die Reise seines Antihelden Stephans, der sich wie viele seiner Generation in einer Art Midlife-Krise befindet und verlorene Familienangehörige zu finden versucht. Nach der Konfrontation mit seinem vermeintlich aufgefundenen Bruder, der jedoch mehr einer grauen Realität als seiner florierenden Imagination entspricht, beginnt er zu zweifeln. Man kann sich als Leser fragen, wer nun eigentlich der Verlorene der beiden Brüder ist.

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