Ijoma Mangold Das deutsche Krokodil

Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil Foto: © Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2017 Wenn das literarische Genre des „Memoirs“ weiter so boomt, werden bald immer mehr Menschen in immer jüngeren Jahren ihre vorläufige Autobiografie verfassen. Im Prinzip ist natürlich jedes Leben, sogar jeder Lebensabschnitt erzählenswert; es kommt auf die Perspektive und auf die Art der Darstellung an. Wer von Berufs we­gen die Kunst des Schreibens pflegt, hat hier die besseren Karten. Unter jenen, auf die das zutrifft, dürften indes nur wenige über einen so ungewöhnlichen Le­bens­stoff verfügen wie Ijoma Mangold, einer der bekanntesten deutschen Litera­tur­kri­ti­ker, früher bei der SZ, heute bei der Zeit, der 1971 in Heidelberg ge­bo­ren wurde, bei seiner Mutter aufwuchs und erst als Erwachsener seinen nigerianischen Vater, dessen Familie und die Hintergründe seiner eigenen Herkunft kennenlernte.
Wenn Mangold diese Konstellation, vor allem aber deren Auswirkungen auf seine Weltsicht und seinen Werdegang, jetzt in einer Erzählung öffentlich macht, entspricht das einem Bedürfnis nach Rückschau, Klärung und Selbstvergewisserung, das er mit vielen Generationsgenossen teilt. Das Individuelle, Besondere seiner Biografie verknüpft er jedoch, immer wieder ins Essayistische ausgreifend, so geschickt mit Fragen und Reflexionen von allgemeinem Interesse, dass das Buch mit dem charmanten Titel „Das deutsche Krokodil“ viel mehr geworden ist als eine persönliche Geschichte: Es ist zugleich ein Gesellschafts- und Epochenporträt en miniature, und es kann Themen für anregende Debatten liefern.

Ijoma Mangold
Das deutsche Krokodil
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2017
ISBN 978-3-498-04468-8
352 Seiten