Maxim Biller
Biografie

Seit Jahrzehnten ist er der Provokateur, vielleicht auch der Schrittmacher der deutschen Literaturszene, fordert mehr Mut, mehr Relevanz und ein Ende der „Schlappschwanzliteratur“. Er besieht sich kühl die deutsche Literaturlandschaft und entdeckt bloß Spießer oder verdruckste Kunsthandwerker. Und dann nennt er sie eben so, auch wenn alle ganz anders urteilen. Kuschelbesprechungen gibt es bei ihm nicht. (...) Nun legt er seinen großen Roman vor. Er nennt das Buch ein Memoir. Titel: Biografie. Terrorismus, Sexualität, Holocaust, Liebe und Familie, Deutschland und Israel, Prag und Moskau – auf nahezu jeder Seite. Ein Buch, das einem wie eine unkontrolliert explodierende Maxim-Biller-Kolumne um die Ohren fliegt. Biografie hat eine ganz eigentümliche Struktur: Man findet das ganze Buch auf einer Seite und ist, nach der vollständigen Lektüre, genau so weit wie zu Beginn. (...) Bei der Lektüre durchläuft man mehrere Stadien. Zuerst ist man genervt. Es ist nicht richtig komisch, nicht dramatisch, man hegt den Verdacht, Opfer eines Streichs ohne versteckte Kamera zu sein. In einer zweiten Phase beginnt man, Absätze laut vorzulesen. (...)Biografie ist ein Rorschachtest. Der Leser soll doch suchen, was er finden möchte. Es ist alles drin, ein Meisterwerk und auch das Gegenteil davon.
 

Maxim Biller
Biografie
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2016
ISBN 978-3-462-04898-8
896 Seiten