Shida Bazyar Nachts ist es leise in Teheran

Der Name des Romans wie der der Autorin weisen darauf hin, dass die 1988 im rheinland-pfälzischen Hermeskeil geborene Shida Bazyar familiäre Wurzeln in Iran hat. Ihre Neugier auf das Thema Flucht ist somit wie beim ebenfalls in Deutschland geborenen Fatah biographisch bedingt; die Eltern, in Bazyars Roman als Figuren leicht wiedererkennbar, verließen in den achtziger Jahren ihre Heimat, obwohl sie als links orientierte Studenten den Sturz des Schahs im Jahr 1979 begrüßt hatten. (...) Der Roman berichtet also von einer Flucht, die Jahrzehnte zurückliegt, einer luxuriösen überdies, denn die Familie kauft einfach Flugtickets nach Istanbul. Doch da ein dauerhaftes Verlassen Irans verboten war, kann sie kaum etwas mitnehmen und beginnt in Deutschland ganz neu - mit dem mühseligen Weg durch Interimsquartiere und Behörden, um als Asylanten anerkannt zu werden und endlich arbeiten zu dürfen. (…)
Shida Bazyars Roman kann für sich in Anspruch nehmen, uns über diese Prozeduren und die wie auch immer geartete Integration in die deutsche Gesellschaft aus einer Perspektive zu erzählen, die gemeinhin hierzulande nicht zur Sprache findet - einfach, weil die Betroffenen diese Sprache meist nicht beherrschen. Es ist deshalb faszinierend, wie der Roman aufgebaut ist: Jeweils ein Viertel wird aus der Sicht eines der Familienmitglieder erzählt, und natürlich ist der Blick der in Iran erwachsen gewordenen Behsad und Nahid ein anderer als der ihrer Kinder, die ihre wichtigen Lebenserfahrungen in Deutschland machen.

Shida Bazyar
Nachts ist es leise in Teheran
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2016
ISBN 978-3-462-04891-9
284 Seiten