Catalin Dorian Florescu Der Mann, der das Glück bringt

Wieder erzählt Florescu, wie schon in „Zaira“, eine Geschichte zwischen Osteuropa und Nordamerika. Doch diesmal sind es zwei Erzählstränge, die immer enger und je später, desto spannender verwoben werden. Der erste Strang beginnt mit einem bitterarmen Zeitungsjungen, dem Großvater des Erzählers Ray, einem Immigranten. Der beobachtet 1899 auf dem East River in New York den regelmäßigen Schiffstransport von Kindersärgen. Dort möchte er nicht enden. Nicht so früh. Scheinbar unerschrocken schlägt sich der Junge mit den vielen Namen und der schönen Stimme im Großstadtdschungel durch und blickt in mörderische Abgründe.

Der zweite Strang handelt von drei Elenas. Die mittlere von ihnen lebt im weltabgeschiedenen Donaudelta, träumt von Amerika, erkrankt an Morbus Hansen und wird in einer Leprastation isoliert, auch von ihrer Tochter. Die Verformung des Körpers durch die Lepra versteht Florescu auch als Anspielung auf die Verformung der Seelen zu Zeiten des Kommunismus.(…) Vor allem aber beeindruckt der Roman durch die Einstellung zum Leben. Denn die Protagonisten, die über den Atlantik hinweg der Hunger verbindet, hätten allen Grund, an ihrem je eigenen Schicksal zu verzweifeln. Doch sie geben nie auf, kämpfen weiter – auch wenn sie keine Chance zu haben scheinen. Mit einem Satz: Florescus Panorama zweier Welten ist satt an kräftigen Farben und beglückend reich an Lebenswillen.
 

Catalin Dorian Florescu
Der Mann, der das Glück bringt
C. H. Beck Verlag, München, 2016
ISBN 978-3-406-69112-6
327 Seiten