Durs Grünbein Die Jahre im Zoo

Die „Büchse Erinnerung“, dichtet Durs Grünbein in einem der lyrischen Intervalle seines Memoirs „Die Jahre im Zoo“, sei „ein altes Blech voller Regenwürmer:/Man öffnet sie, und Kindheit, das Erbärmliche, weht einen an“. Dieses Erbärmliche ist jedoch nicht der hauptsächliche Wesenszug in Grünbeins Kindheits- und Jugendbeschreibung. Im Gegenteil: Der preisgekrönte Lyriker lässt, bei aller Genauigkeit in der Beschreibung unschöner Vorkommnisse wie der (einzigen) Tracht Prügel durch die Mutter oder dem Tod des Kameraden, nostalgische, wenn auch nie verklärende Erinnerungen durchaus zu. Sie beginnen mit den Spaziergängen, den „Inspektionen“ mit dem Großvater an der Elbe... (...)
Der Wahl-Römer Grünbein wurde 1962, ein Jahr nach dem Mauerbau, in Dresden geboren und wuchs im Randstadtteil Hellerau auf. In „Die Jahre im Zoo“ - der Titel überblendet die Besuche des vom jungen Grünbein innig geliebten Dresdener Zoos mit dem Eingesperrtsein der DDR-Bürger - entwirft der Autor nicht nur das Porträt einer Kindheit, sondern auch das einer geschichtsbewegten Stadt. (...) Grünbeins Annäherung an die eigene Biografie schließt den Wiedererkennungswert mit ein, den seine Beschreibungen für geografisch und altersmäßig Verwandte haben. Und so beinhaltet sein behutsam gezeichnetes Zeitbild auch die Russenkaserne und die Westbesuche im Osten: „Die Jahre im Zoo“ ist ein DDR- und besonders ein Dresdenbuch.
 

Durs Grünbein
Die Jahre im Zoo
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2015
ISBN 978-3-518-42491-9
400 Seiten