Christoph Hein Glückskind mit Vater

Christoph Heins Roman, der auf einem realen Hintergrund beruht, ist ein deutsches Fallbeispiel. Eine kalkulierte Mischung aus Wahrheit und Konstruktion, unbeirrbar und grandios. Den Vater hat Konstantin Boggosch nie kennengelernt, aber er ist eingeschrieben in sein Leben. Noch schlimmer: in die Akte, die bei den DDR-Behörden liegt. Was immer der Sohn auch vorhat, der Schatten des Vaters ist schneller. Staatlich geförderter DDR-Turner darf er trotz bester Voraussetzungen nicht werden, weil in seiner Akte steht, was dort eben über den Kriegsverbrecher steht. (…) Boggosch ist auf der Flucht. Er ahnt die Fallstricke des Systems voraus, die Folgen seines genetisch bedingten Schicksals. Ein kurvenreiches, quer durch ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte sich windendes Leben schildert Christoph Hein in altmeisterlichem Stil. "Glückskind mit Vater" ist ein Roman in Sepia, eine Dystopie des Politischen und des Privaten. Wo die wollfadendicken Vorhänge in den Fenstern verräterisch zurückpendeln, wenn Boggosch vorbeigeht, dort ist die DDR.
 

Christoph Hein
Glückskind mit Vater
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-518-42517-6
527 Seiten