Abbas Khider Ohrfeige

Anfang 2016 einen Roman zu veröffentlichen, der sich um das Leben von Asylbewerbern in Deutschland dreht, das klingt nach einem smarten Move. Doch für Khider ist das Thema ein altes, nicht nur weil er sich in den drei Werken vor „Ohrfeige“ schon mit Flucht, Widerstand und Exil beschäftigte. Der 1973 in Bagdad geborene Schriftsteller musste 1996 selbst seine Heimat verlassen, kam über Umwege 2000 ins bayerische Ansbach. (...) Vor drei Jahren begann Khider, der inzwischen in Berlin lebt, an „Ohrfeige“ zu schreiben. Dass das Buch gerade jetzt erscheint, wo alle Medien sich mit dem Thema Migration auseinandersetzen, ist also eher Zufall. (...)
Eine Zukunft in Deutschland bleibt auch für die Figur Karim bis zuletzt nur Träumerei im Dunst der Haschischwolke. Zu viele Gesetze versperren ihm den Weg zum Sprachkurs, einer legalen Erwerbstätigkeit, einem normalen Leben. Am Anfang der Geschichte steht die titelgebende Ohrfeige, die Karim seiner Sachbearbeiterin Frau Schulz verpasst, nachdem er sie gefesselt und ihren rot geschminkten Mund mit Packband zugeklebt hat. (...) Der gefesselten Beamtin erzählt Karim seine Geschichte, bevor er eine weitere Flucht nach Finnland antreten will. Er erzählt davon, wie er drei Jahre zuvor aus einem Transporter kroch, sich in einem Vorort von Paris zu befinden glaubte, bis ihn die Beamten aufschnappten und ihm erklärten, er sei in Dachau.
 

Abbas Khider
Ohrfeige
Carl Hanser Verlag, München, 2016
ISBN 978-3-446-25054-3
224 Seiten