Heinz Strunk Der goldene Handschuh

Es ist kein aktueller Gesellschaftsroman, vielmehr erzählt Heinz Strunk die Geschichte des Hamburger Frauenmörders Fritz Honka aus den siebziger Jahren und findet dabei eine so einleuchtende Sprache für diesen nahe an der Sprachlosigkeit hausenden Menschen. Wie nebenbei zeichnet Heinz Strunk damit aber auch das Bild einer Gesellschaft, die mit den hellen Selbstbeschreibungen der alten Bundesrepublik wenig zu tun hat. Es hat etwas zutiefst Ungemütliches, aber auch sehr Erhellendes, in diesem Roman nachzulesen, was alles zu den Hinterlassenschaften dieser Zeit gehört. Immer noch Traumatisierung durch Krieg und Nazizeit. Unfähigkeit, mit Gefühlen umzugehen. Alkoholismus als letzter Ausweg. Eine Alltagsbrutalisierung, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Das literarische Kunststück dieses Romans besteht nun darin, zum einen anschaulich zu zeigen, dass man sich auch noch in so einen Menschen wie Honka hineindenken kann – und zum anderen sozusagen robustere Beschreibungen der Gesellschaft zu liefern. Wer glaubt, dass die deutsche Gesellschaft derzeit ihre Mitte verliert, kann bei Strunk erfahren, dass die Rede von einer Mitte schon immer etwas Imaginäres hatte.
 

Heinz Strunk
Der goldene Handschuh
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2015
ISBN 978-3-847-70363-1
256 Seiten