Guntram Vesper Frohburg

Jahrzehnte hat Vesper, der bisher vor allem als Lyriker und Hörspielautor Renommee erlangte, mit dem „Durchgehen, Durchsuchen, Durchforsten von Erinnerungen“ zugebracht. Nun stellt er seine Frohburger Kindheit und Jugend – 1957 floh er mit seiner Familie in die Bundesrepublik – vor den Hintergrund einer unheilvollen, ideologisch besetzten Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (…). Bilder und Szenen vergegenwärtigen und bündeln das historische Geflecht des letzten Jahrhunderts völlig unangestrengt, wenn er die Splitter seiner frühen Erinnerung an den Einmarsch der Roten Armee zusammenfügt, die Reaktionen auf einen erschütternden Doppelmord in Frohburg sammelt, wenn er von der letzten, 1908 vollzogenen Hinrichtung einer Frau in Sachsen (der Mörderin Grete Beier mit dem „Engelsgesicht“) erzählt, wenn er auf romantaugliche Strukturelemente vertraut – den Spaziergang dreier Bekannter, darunter Erich Loest, 1953 durch Frohburg oder eine brillant eingefangene Motorradfahrt seiner Eltern in den 1930er Jahren. Dann plötzlich wird „Frohburg“ mit all seinen mäandrierenden Erinnerungsströmen zu grosser Literatur.
 

Guntram Vesper
Frohburg
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main, 2016
ISBN 978-3-895-61633-4
1.008 Seiten