Eberhard Straub Das Drama der Stadt. Die Krise der urbanen Lebensformen

Kommentare zur Situation der Zeit halten sich besser an die großen Begriffe von Geschichte, Staat, Nation oder Globalisierung. Bemerkungen zum Schicksal der Städte gehören eher in die intellektuelle Regionalliga und in planungssoziologische Fachseminare. Nun hat der Historiker und Privatgelehrte Eberhard Straub mit seiner Streitschrift „Das Drama der Stadt“ das Nachdenken über das urbane Zusammenleben wieder auf das Niveau großer Geschichtserzählungen gebracht. (...) Städtische Tugenden entstanden nicht aus dem kleinlichen Interessenkampf einer Minderheit fremdenfeindlicher athenischer Großgrundbesitzer, sondern aus der Vermischung von Zuwanderern – ohne Zwang zu Integration und Assimilierung. Jede echte Großstadt, so Straub, hat aus Fremden Eingeborene gemacht. Rom war allein wegen Kindermangels auf Immigration angewiesen und konnte aufstiegsorientierte Barbaren – Araber, Slawen, Germanen – von den Vorteilen urbaner Manieren überzeugen. Dass es in der absoluten Monarchie Roms nicht die abstrakte Freiheit, sondern vielfältige Freiheiten sowie mehr Fest- als Arbeitstage gab, schildert der Autor mit sinnesfreudigen Streifzügen durch römische Hochhausviertel, Thermen und Einkaufsstraßen. Derlei historische Fantasie ist zwar unwissenschaftlich, aber macht anschaulich, warum für Straub die Menschen nur in Großstädten lernen, einander zu ertragen und miteinander auszukommen.
 

Eberhard Straub
Das Drama der Stadt. Die Krise der urbanen Lebensformen
Nicolai Verlag, Berlin, 2015
ISBN 978-3-8947-9915-1
206 Seiten