Matthias Brandt Raumpatrouille. Geschichten

Matthias Brandt: Raumpatrouille. Geschichten Foto: © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2016 Weder ist Raumpatrouille eine literarische Abarbeitung am überragenden Vater noch ein nachgeholter Annäherungsversuch wie der Erzählessay Andenken (2006) des älteren Bruders Lars Brandt. Was es über den privaten Willy Brandt en passant zu erfahren gibt, dass er verschlossen, emotional unbeholfen und auf seine Art doch ein verlässlicher Vater war, das geht keinen Zentimeter über das hinaus, was man nicht schon wüsste. 
Der Autor lässt es auch nicht in demonstrativer Weise aus. Nur folgt die Erzählperspektive seiner Geschichten konsequent der Weltsicht des Jungen, und aus dessen Sicht ist die berauschende Sensation des Jahres 1969 nun mal nicht die Kanzlerwahl, sondern die Mondlandung. Es ist tatsächlich eine Art Rauschzustand, in den die Fernsehbilder der drei amerikanischen Astronauten den Achtjährigen versetzen, der Zustand des Tagträumens, den Sigmund Freud „vorbewusstes Phantasieren“ nannte und als Vorstadium künstlerischer Kreativität beschrieb. Äußerlich befindet sich der Junge in seinem Kinderzimmer, innerlich in der Haut eines amerikanischen Astronauten. (…) 
Raumpatrouille erzählt die Geschichte eines Jungen, der sich in seiner Innenwelt auf Bühnen bewegt, der Kostüme und das Spiel der Selbstverwandlung liebt und deshalb nichts anderes werden konnte als Schauspieler. 

Matthias Brandt
Raumpatrouille. Geschichten
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2016
ISBN 978-3-462-04567-3
176 Seiten