Gerhard Falkner Apollokalypse

Gerhard Falkner: Apollokalypse Foto: © Berlin Verlag, Berlin, 2016 „Apollokalypse“ wird von Georg Autenrieth selbst erzählt, einer unfassbar bleibenden Person, auch wenn sie redet, liebt, trinkt. Wer da eigentlich spricht und wie viele dieser Autenrieth in sich birgt, bleibt das Rätsel, das dem Roman Spannung verleiht. Nicht chronologisch, diskontinuierlich führt der Erzähler, dem man weder glauben noch nicht glauben kann, durch das Berlin zwischen 1985 und 1995. Dazwischen liegt der Fall der Mauer, wovon hier kein großes Aufheben gemacht wird. West, Ost, mit oder ohne Mauer: Die Geschichte spielt in allen Teilen der Stadt, die Zäsuren setzen die Frauen: Isabel, die Kunststudentin, und Billy, die Bulgarin Bilijana. Beide sind anderen Männern verbunden, als Autenrieth mit ihnen, nacheinander, in eine Zeit der erotischen Raserei eintritt, Isabel dem Künstler Büttner, Billy einem deutschen Militär. (…)
Das Leben der Figuren wie der Stadt verwandelt sich vollständig in Kunst, der Text zeigt moralischen oder politischen Fragen die kalte Schulter der vollendeten Form. Mag sich die Fraktion derer, die allein karge, unkomplizierte, lebensnahe Romane schätzen, daran stören – Leser werden ihr Vergnügen haben an der Sinnlichkeit der Beschreibungen, an der klugen Komik der Szenen und dem Witz des Erzählers (…).

Gerhard Falkner
Apollokalypse
Berlin Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-8270-1336-1
432 Seiten