Reinhard Kaiser-Mühlecker Fremde Seele, dunkler Wald

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald Foto: © S.  Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2016 Es ist etwas Merkwürdiges um den Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker. Als vor ein paar Jahren sein erstes Buch erschien, wirkte es wie aus der Zeit gefallen. Und die Nachfolger setzten das fort, mit Titeln wie „Magdalenaberg“, „Roter Flieder“ und „Schwarzer Flieder“. Die Szenerie spielt meist im ländlichen Oberösterreich, auf Bauernhöfen, die aus Entwürfen Adalbert Stifters und gelegentlich auch Peter Roseggers herüberragen. Und auch die Sprache des 1982 geborenen Autors knüpft an diese Traditionen an: realistisch, ländlich, mit langen Satzperioden, die suggestiv das Innenleben der Figuren beschwören. Sein neuer Roman führt das schon im Titel: „Fremde Seele, dunkler Wald“. Hier hat sich offenkundig das 19. Jahrhundert in die aktuelle Gegenwart geschlichen.
Das Motto von Turgenjew, dem sich der Titel verdankt, gibt die Essenz des Buches tatsächlich wieder: „Du weißt ja, eine fremde Seele ist wie ein dunkler Wald.“ (…) Seine Sprache lebt vom Erzählerischen, vom Ausmalen konkreter Situationen. Sie ist in der Literaturgeschichte verankert, nicht in aktuellen Diskursen, sie zielt auf eine Wirklichkeit am Rand. Verwundert stellt man fest: Auch dies ist die Gegenwart.

Matthias Kaiser-Mühlecker
Fremde Seele, dunkler Wald
S.  Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2016
ISBN 978-3-10-002428-2
300 Seiten