Dmitrij Kapitelman Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters

Dmitrij Kapitelman: Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters Foto: © Carl Hanser Verlag, München, 2016 Das also ist das Setting: Junger Autor reist mit seinem Vater nach Israel. Klingt nach hohem Peinlichkeitspotenzial. Autobiografische Seelenerkundung, deutsche Selbstfindungsprosa, sanft gewürzt mit jüdischem Humor. (…) Was Dmitrij Kapitelman daraus macht, ist jedenfalls meisterhaft. Zum einen erzählt dieses Buch die Biografie einer Einwandererfamilie. Das Schicksal – im Verein mit dem deutschen Asylkontingentverteiler – schickte Dmitrij Kapitelman und seine Eltern 1994 von Kiew nach Leipzig. „Mein Vater ergatterte sein Existenzschnäppchen, die BRD bekam Rabatt auf ihre Vergangenheit.“ In Deutschland sind sie nur gelandet, weil sie „willkommene Wiedergutmachungsjuden“ waren. Der junge Dima merkt freilich nichts davon, dass er willkommen ist. Ringsum Nazis, so viele, dass Kapitelman als Jugendlicher nicht mal auf die Idee gekommen wäre, zur Polizei zu gehen, wenn er wieder drangsaliert wurde. (…)
Mit diesem Vater also macht sich Kapitelman auf nach Israel. Die beiden besuchen alte Freunde des Vaters, fahren ans Tote Meer, verbringen ein paar Tage in Jerusalem, gehen an die Klagemauer, und allmählich taut Leonid auf. Er liebt die Sicherheit der Flughäfen und kann sich nicht sattsehen an den Waffen im Museum der Israelischen Streitkräfte, ja wenn es für den Vater ein Leit- wie Leidmotiv auf dieser Reise gibt, dann ist es dieses Gefühl, sich endlich, erstmals irgendwo in Sicherheit zu fühlen, einer unter vielen zu sein.

Dmitrij Kapitelman
Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters
Carl Hanser Verlag, München, 2016
ISBN 978-3-446-25318-6
288 Seiten