Christian Kracht Die Toten

Christian Kracht: Die Toten Foto: © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2016 Vordergründig erzählt Die Toten eine einfache Geschichte. Der Regisseur Emil Nägeli, Schweizer wie Kracht, erhält Anfang der Dreißigerjahre den Auftrag, nach Japan zu reisen. Dort verfolgt der Kulturfunktionär Masahiko Amakasu den Plan, dem „allmächtig erscheinenden US-amerikanischen Kulturimperialismus entgegenzuarbeiten“, eine „zelluloidene Achse“ soll entstehen zwischen Tokio und Berlin. Amakasus Verbündeter in der deutschen Hauptstadt ist Alfred Hugenberg, der reaktionäre Medienmagnat der Weimarer Republik und 1933 kurzzeitig Wirtschaftsminister im ersten Kabinett Adolf Hitlers. Für Hugenberg sind Spielfilme, so schreibt Kracht, „Schießpulver für die Augen“.
Mit Hugenberg und Amakasu führt Kracht zwei reale Figuren in seinem Roman ein. Auch Charlie Chaplin tritt auf, Heinz Rühmann und der Kulturwissenschaftler Siegfried Kracauer. (…) In Die Toten geben Filmbranche, der aufziehende europäische Faschismus und Nationalsozialismus und deren Pakt mit dem autoritär regierten Japan das Bühnenbild ab. Als habe er Milan Kunderas Satz im Kopf, wonach ein Roman kein Fahrradrennen mit Start und Ziel sei, erzählt Kracht seine Geschichte nicht im Stil eines klassischen Romans, sondern wie einen Bilderbogen. Die einzelnen Abschnitte sind in sich geschlossene, nur wenige Seiten lange Sequenzen, als wären es kurze Filmstreifen, die hier durch den Projektor rattern.

Christian Kracht
Die Toten
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2016
ISBN 978-3-462-04554-3
212 Seiten