André Kubiczek Skizze eines Sommers

André Kubiczek: Skizze eines Sommers Foto: © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2016 Es war nicht alles schlecht? Ach Quatsch, es war herrlich! Zumindest, wenn man wie René gerade 16 wird, einen Doppeldeck-Kassettenrekorder aus dem Intershop hat und die ganzen großen Ferien im Sommer 1985 über eine sturmfreie Bude im Potsdamer Plattenbauviertel. Renés Vater, ein regimetreuer Akademiker, fährt zu einer siebenwöchigen Friedenskonferenz in die Schweiz und lässt seinem halbwüchsigen Sohn tausend Mark für das Lebensnotwendige da und 200 extra zum Geburtstag, unter der Spüle stehen sieben Flaschen Napoleon-Weinbrand. (…)
Denn René und seine Freunde Mario, Dirk und Michael beweisen sich mit großspurig gemischten Cola-Weinbrand-Drinks, Club-Zigaretten und altklugem Angebergehabe, wie erwachsen sie sich fühlen. (…) Die Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenwerden streifen durch die heiße, urlaubsleere Stadt, hängen in Cafés oder rauchend vor der Kaufhalle herum und wetteifern darum, besonders geistreich zu sein. Zweimal die Woche ist in der Mehrzweckgaststätte Orion Disco. (…) Der Song „Sketch for Summer“ von Durutti Column liefert den Buchtitel und ist das Motto einer selbstredend schwarz lackierten Orwo-Kassette, die René für das angeschwärmte Mädchen aufnimmt, die im Orion nie zur falschen Musik tanzt. Die richtige Musik ist entscheidend dafür, wer man selber sein und zu wem man gehören will. Das weiß jeder, der mal 16 war und ein wildes Herz hatte. Aber so herzerwärmend melancholisch und heiter verschlendert wie André Kubiczek hat uns seit Salinger selten jemand daran erinnert.

André Kubiczek
Skizze eines Sommers
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-87134-811-2
375 Seiten