Thomas Melle Die Welt im Rücken

Thomas Melle: Die Welt im Rücken Foto: © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2016 Thomas Melle berichtet in seinem soeben erschienenen Buch autobiografisch über seine manisch-depressive Erkrankung. Die Geschichte seiner bipolaren Störung, ein euphemistischer, und, wie er sagt, viel zu harmloser Begriff für das Desaster, das diese Krankheit anrichtet, ist schonungslos ehrlich und schockierend brutal. Zugleich ist sie „irre“ komisch. „Existenzieller Slapstick“, nennt es Melle in einem Interview. Und da seine manischen Phasen ihn durch die Berliner Clubs, Kneipen, Partys und Konzerthallen treiben, gelingt Melle wie nebenbei ein Stimmungsbild der überhitzten Berliner Popkulturszene.
„Die Welt im Rücken“ ist Melles Versuch, die mörderische Krankheit zu bannen. Das Schreiben ist ihm der Schutzanzug, mit der er das kontaminierte Terrain seiner Leidensgeschichte betritt. Dass daraus grandiose Literatur geworden ist, liegt daran, wie Melle das in Sprache fasst. Die literarische Form wird dem Inhalt auf nahezu kongeniale Weise gerecht. Melles irrlichternde Präzision der Beschreibung eines von ihm abgespaltenen Selbst entspricht der hypergeschärften Wahrnehmung der Manie, die bei ihm zusätzlich mit einer paranoiden Psychose einhergeht. Er betrachtet dieses Ich, das er ist und doch nicht ist, dessen wahnwitziges Verhalten ihm im Nachhinein zutiefst fremd, beschämend und gruselig erscheint, wie eine „Figur aus einer abgedrehten TV-Serie“.

Thomas Melle
Die Welt im Rücken
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-87134-170-0
352 Seiten