Martin Mosebach Mogador

Martin Mosebach: Mogador Foto: © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2016 Mogador ist der ehemalige portugiesische Name einer Hafenstadt an der Atlantikküste Marokkos. (…) Mosebachs Mogador ist nicht allein die Geschichte wirtschaftskrimineller Machenschaften, sondern auch ein Märchenbuch, wo Wunder aus Wundern sprießen wie die Blumen eines Feuerwerks, wo das Menschliche dicht neben dem Grausamen haust und das Unschuldige neben dem Verdorbenen. (…)
Held der Geschichte ist ein junger Mann namens Patrick, der sich schon früh mit der aparten Pilar vermählt hat. „Sie war eine Puritanerin von der frischen, appetitlichen Sorte.“ Pilar entstammt einer vermögenden Familie, er hingegen bescheidenen Verhältnissen. Man ignoriert die Differenz im unausgesprochenen Einvernehmen. Gleichwohl spornt sie ihn an, finanziellen Erfolg zu erzielen. Der gelingt ihm ziemlich rasch, doch gehört es zu der freundlich ironischen Umgangsweise des Paares, davon kein Aufhebens zu machen (…).
Selten hat Mosebach seine Helden so nahe ans wahrhaft Böse herangeführt. Die Märchen dieses Buchs stellen (ebenso wie die berühmten der Brüder Grimm) das Wunderbare unvermittelt neben das Gemeine und das Verstörende. In Mogador werden die einander widrigen Welten von Abendland und Morgenland, von industriegesellschaftlicher Tüchtigkeit und religiösem Traditionalismus nicht miteinander versöhnt, sondern zu einem farbenprächtigen und höchst widersprüchlichen Bild zusammengeführt. Unser nur scheinbar harmloser Patrick, ein Parzival des Finanzkapitals, wird in eine andere Zeit gestürzt, und er kehrt als ein anderer zurück, geläutert, verwundet, gereift.

Martin Mosebach
Mogador
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2016
ISBN 978-3-498-04290-5
368 Seiten