Kathrin Schmidt Kapoks Schwestern

Kathrin Schmidt: Kapoks Schwestern Foto: © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 2016 Seit ihrem Debüt „Die Gunnar-Lennefsen-Expedition“ von 1998 hat sich die Diplom-Psychologin Kathrin Schmidt, 1958 in Gotha geboren, einen Namen als sprachmächtige und wortschöpferische Lyrikerin und Epikerin gemacht. In ihren Familienromanen greift sie stets weit in die Tiefenschichten der deutschen Vergangenheit hinein. Dabei interessieren sie besonders die tragischen Fälle von Liebesverrat, den Stasi-Agenten begingen. Als solcher hat sich auch Werner Kapok schuldig gemacht, Sohn von Henny und Kurt. Er wuchs gemeinsam mit den Schaechter-Schwestern auf, bleibt aber im Gegensatz zu ihnen als Figur blass. Nun sind alle drei in die Treptower Gartensiedlung zurückgekehrt – die Schwestern, um ihr Elternhaus zu renovieren, der beruflich gescheiterte Werner, um seine Wunden zu lecken.
Wie aber kam Schmidt darauf, in ihrem Roman, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Sarajewo zurückreicht, das versteckte Leben der Juden in der DDR zu thematisieren? Nach eigenen Angaben hat sie sich an der Künstlerfamilie Brasch orientiert, von der nur noch die Tochter Marion lebt, die selbst ein Kind hat. Die Eltern waren in der NS-Zeit nach England emigriert und nach Ost-Berlin zurückgekehrt. Die Brüder Thomas, Klaus und Peter starben kinderlos. Viele Juden in der DDR thematisierten ihr Judentum nicht, da sie sich als „Internationalisten“ definierten. Zudem machte es ihnen die DDR mit ihrem antiisraelischen Kurs schwer.

Kathrin Schmidt
Kapoks Schwestern
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2016
ISBN 978-3-462-04924-4
448 Seiten