Saša Stanišić Fallensteller

Saša Stanišić: Fallensteller Foto: © Luchterhand Literaturverlag, München 2016 2014 veröffentlichte Saša Stanišić seinen flirrenden, wunderbaren und zu Recht mit Preisen dekorierten Roman Vor dem Fest, der in dem fiktiven, aus mehreren realen Dörfern zusammenkomponierten Dorf Fürstenfelde angesiedelt war.
Die Titelgeschichte seines neuen Erzählbandes Fallensteller, mit knapp 100 Seiten auch die deutlich längste des Buchs, kehrt dorthin und zu der chorischen Erzählweise zurück. Der Schriftsteller ist weg. Allerdings taucht nun eines Tages der Fallensteller auf, „hinten Zopf, vorne Glatze, schwarzer Mantel mit hohem Kragen wie aus einem Jahrhundert, in dem Männer ,Beinkleider' trugen“. Der geheimnisvolle Fremde, der ausschließlich in Reimen spricht, ist ein Problemlöser. Jedenfalls behauptet er das. Konflikte kann er beilegen, unliebsame Tiere einfangen, ohne dass ihnen etwas geschieht. Doch tatsächlich ist alles vielleicht auch ganz anders. Und was heißt bei einem Autor wie Stanišić überhaupt „tatsächlich“?
Stanišić selbst ist der Fallensteller. Und in jeder Erzählung geht man ihm irgendwie auf den Leim. Vor allem seiner Sprache. Es stellt sich schnell das Gefühl ein, es mit einem Schriftsteller zu tun zu haben, der fast alles kann: Menschen durchschauen und beschreiben, Pointen setzen oder gezielt ins Leere laufen lassen, in Andeutungen erzählen, um kurz darauf überraschend explizit zu werden. Stanišić hat ganz eindeutig Vergnügen am Schreiben und dieses Vergnügen überträgt sich unmittelbar auf die Lektüre.

Saša Stanišić
Fallensteller
Luchterhand Literaturverlag, München, 2016
ISBN 978-3-630-87471-5
288 Seiten