Anna Weidenholzer Weshalb die Herren Seesterne tragen

Anna Weidenholzer: Weshalb die Herren Seesterne tragen Foto: © Matthes & Seitz Verlag, Berlin Die entscheidende Frage lautet: Warum? Warum forscht Karl Hellmann? Und wonach? Das will der Mann wissen, der vor dem Supermarkt Brathähnchen verkauft. Karl und der Mann schweigen, sie sehen den Hühnern zu, die sich auf der Stange drehen. Wir möchten folgender Frage nachgehen, beginnt er und denkt: Ich weiß es doch auch nicht mehr. Wir möchten herausfinden, wie zufrieden, kurz gesagt, möchten wir festhalten, wie das Leben hier ist. Das könnte glatt eine Loriot-Szene sein. Wie überhaupt Karl Hellmann eine Figur sein könnte, die aus einem leicht angeschrägten melancholischen Film entsprungen sein könnte.
In Bhutan gibt es tatsächlich einen seit dem Jahr 2006 erarbeiteten Glücksfragebogen, der 113 Seiten lang ist und dessen Beantwortung einen ganzen Tag dauern kann. Als Ergebnis soll am Ende ernsthaft das sogenannte Bruttonationalglück ermittelt werden. Ein Glücksforscher also ist Karl Hellmann. Der pensionierte Lehrer hat sich eines Tages einfach auf den Weg gemacht, hat sein Haus und auch seine Frau Margit zurückgelassen, um in einem kleinen, willkürlich gewählten Skiort anzukommen.
Dreihundertvierundsiebzig Kilometer, jedes Kapitel trägt diese Überschrift, von zu Hause weg. Mit dem Glücksfragebogen im Gepäck.

Anna Weidenholzer
Weshalb die Herren Seesterne tragen
Matthes & Seitz Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-95757-323-0
192 Seiten