Michael Angele Der letzte Zeitungsleser

Michael Angele: Der letzte Zeitungsleser Foto: © Galiani Verlag, Berlin, 2016 Angele (…) betrachtet die Zeitungswelt aus dem Blickwinkel des Gegenübers – als passionierter Zeitungsleser, für den das tägliche Studieren des Blattes, oder gar diverser Blätter, mehr als bloßes Informationsupdate ist, das auch am Computer oder Tablet stattfinden könnte. Es ist vielmehr ein kulturelles Ritual: jeden Tag die gedruckte Zeitung im selben Café, am selben Frühstückstisch oder in derselben Bahn zu lesen, sich an ihrer Haptik, an ihrem Geruch zu freuen, an ihrem Rascheln. (…) Als roter Faden zieht sich ein anekdotenhaftes Porträt Thomas Bernhards durch den Text. Angele inszeniert Bernhard als prototypischen Zeitungsleser, denn er zog oft aus kleinen Meldungen und Glossen Inspiration für seine eigenen Texte, liebte es naturgemäß aber mindestens genauso, sich über Nachrichten zu echauffieren. Zeitungslesen als gepflegte Erregungskunst, wer könnte da besser Pate stehen als Thomas Bernhard. (…)
Angele spricht zwar über die Krise in den Printmedien, prangert jedoch nicht an, sondern stellt lediglich fest. Er ist sich der Übermacht der digitalen Medien bewusst, sieht deren Vorteile. Er hat selbst jahrelang für die Netzzeitung gearbeitet und sperrt sich nicht gegen den technischen Fortschritt. Doch sieht er eben im analogen Zeitungslesen eine Kulturleistung, die neben den digitalen Medien und sozialen Netzen als hauptsächliche Informationsbeschaffungssysteme bestehen kann.

Michael Angele
Der letzte Zeitungsleser
Galiani Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-86971-128-7
160 Seiten