Christoph Bartmann Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal

Christoph Bartmann: Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal Foto: © Carl Hanser Verlag, München, 2016 Mit der Fülle der käuflichen Dienste sind nach dem Krieg Geborene oft überfordert, galten Dienstboten doch in den goldenen Jahren der Bundesrepublik als Sozialfiguren der Vergangenheit. Ihre Existenz war schwer zu vereinbaren mit dem Wunsch nach Gerechtigkeit, sozialem Aufstieg, Emanzipation und Gleichberechtigung. Aber Serviceangst lässt sich überwinden, Kunde sein lernen. Das Serviceangebot in den besseren Wohngegenden Manhattans sorgt dennoch für kulturelle Irritation. Christoph Bartmann hat ihr einen Essay abgewonnen, den lesen sollte, wer sich für den Lebensstil der mittleren Schichten interessiert und nicht glaubt, dass die sozialen Fragen der Gegenwart mit Armutsstatistiken ausreichend beschrieben sind.
„Die Rückkehr der Diener“ verbindet Streifzüge durch unsere Lebenswelt mit moralischer Selbstbefragung, ohne freilich den Leser mit folgenlosen Appellen und wohlfeilen Empörungsfloskeln zu langweilen. (…) Bartmann ist klug genug, den Rückgriff auf Servicepersonal nicht pauschal zu verdammen, gerade in der Pflege geht es oft nicht ohne. Aber er öffnet die Augen für gern verleugnete Schrecken des betreuten Daseins und wirbt für eine Lebensführung, „für deren Leistungsbilanz der Einsatz von Personal nicht strukturell erforderlich wäre“. Wer Gefahr läuft, das „volle Leben“ über lauter Lebenserleichterung zu verpassen, findet in diesem Buch viele Gründe, die Fenster einmal wieder selbst zu putzen. Die Sicht wird freier.

Christoph Bartmann
Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal
Carl Hanser Verlag, München, 2016
ISBN 978-3-446-25287-5
288 Seiten