Wolf Biermann Warte nicht auf bessere Zeiten. Die Autobiographie

Wolf Biermann: Warte nicht auf bessere Zeiten. Die Autobiographie Foto: © Propyläen Verlag, Berlin, 2016 Wolf Biermann, der bald achtzig Jahre alt wird, hat zeit seines Lebens das Rampenlicht gesucht – und es noch gefunden, als man es ihm abdrehte. In nicht zu zählenden Stellungnahmen, Einwürfen, Aufsätzen und Interviews hat er bereitwillig und umfassend Auskunft gegeben über jede Facette seines Werdegangs. Es ist überdies klar, dass er nur noch zur einen Hälfte Mensch ist, zur anderen bereits ein Mythos. Er ist der Dichter, der mit seinen Liedern und seiner Unbeugsamkeit einen ganzen Staat, die DDR, wenn nicht zu Fall, so doch erheblich ins Wanken brachte. Die direkte gesellschaftliche und politische Wirkung, die seine Werke und seine Persönlichkeit entfalteten, dürfte singulär sein in der deutschen Kultur zumindest des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine poetische Leistung und sein moralischer Rang sind so unbestreitbar, dass man schon müde, ja fast genervt ist, sie noch einmal zu bekräftigen. Wolf Biermann ist der Geschichtsgewinner schlechthin, damit aber auch eine Gestalt, die keinerlei Rätsel mehr zu bergen scheint und deshalb auf viele entzaubert wirkt. (…)
Seine „Familiengeschichte in der Nazizeit“ und seine „Existenz als Staatsfeind der DDR“ hat Wolf Biermann vor mehr als 35 Jahren Jean-Paul Sartre erzählt, auf gut 500 Seiten gibt er die beiden eng verwobenen Lebensteile jetzt an uns weiter. Sie lesen sich wie ein allerletzter Nachruf auf das Land, das er trotz aller Katastrophen und Tragödien fast bis zu dessen Untergang für den besseren deutschen Halbstaat hielt.

Wolf Biermann
Warte nicht auf bessere Zeiten. Die Autobiographie
Propyläen Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-5490-7473-2
576 Seiten