Claus Offe Europa in der Falle

Claus Offe: Europa in der Falle Foto: © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016 Europa in der Falle heißt das neue Buch des Politikwissenschaftlers Claus Offe, und der Titel trifft den Nagel auf den Kopf. Mit der Einführung des Euro hat sich die Europäische Union in eine schwierige Lage manövriert, es geht nicht vor und nicht zurück. Nun spaltet sich die Euro-Zone in Gewinner und Verlierer. Der Norden, vorneweg Deutschland, lebt auf dem Sonnendeck und profitiert vom Euro, während die geldpolitisch entmachteten „Südländer“ kein Land sehen und rebellisch werden. (…) Das Ergebnis lässt sich überall besichtigen. Im Kielwasser der Dauerkrise „beschwören und restaurieren“ rechte Parteien „die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Schutzfunktionen territorialer Grenzen“. Und je länger die Krise dauere und je größer die Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und politischer Durchsetzbarkeit werde, desto verlockender scheine der Rückzug aufs nationale Festland. (…)
Offes Abrechnung mit der EU ist schlechthin brillant und von großer analytischer Schärfe, aber sie ist kein Plädoyer für einen Ausstieg aus dem Euro, im Gegenteil. Auch wenn es ein gewaltiger Fehler gewesen sei, den Euro ohne Einbettung in eine politische Union einzuführen, so wäre es wegen der unkalkulierbaren Risiken „ein noch größerer Fehler, diesen Fehler einfach rückgängig zu machen“. Nur Hasardeure würden an jene Blumentopftheorie glauben, wonach jede Nation am besten selbst ihr eigenes Pflänzchen gieße. In Wahrheit zerstöre eine Rückabwicklung der EU genau die Handlungsmacht, die man brauche, um Finanzmärkte einzuhegen und jene Brandherde zu kontrollieren, die außerhalb nationaler Reichweite liegen: Terrorbekämpfung, Energie und Klima.

Claus Offe
Europa in der Falle
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-518-12691-2
160 Seiten