Bruno Preisendörfer Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit

Bruno Preisendörfer: Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit Foto: © Galiani Verlag, Berlin, 2016 Die Deutschen: wüste Fresser und Säufer, verwöhnt und zur Verschwendung neigend. „Dass unser deutsches Volk ein grobes, ja wildes Volk ist, ja es schier halb Teufel halb Menschen sind“, das war der Eindruck Luthers, der doch selbst grob, ja wild werden konnte, hier sprach ein Kenner. Aber natürlich auch ein Prediger, der seinem Publikum einheizen musste; ganz eindeutig ist es nicht, wie es mit dem Benehmen der Deutschen stand vor gut 500 Jahren. Dies ist eine der vielen Fragen, die sich Bruno Preisendörfer vorgenommen hat in seinem Buch „Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit“, das auf seine Weise auch wild ist. Nicht, weil der Autor grob wäre, das ist er keinesfalls. Aber ein Lesebuch zur Kulturgeschichte, wie er es geschrieben hat, muss prall sein, viele Details bieten, gerade über einen Gegenstand, der selbst noch etwas Ungezähmtes hat. (…)
„Als unser Deutsch erfunden wurde“ ist wie eine glückliche Urlaubsreise: Unterhaltend, abwechslungsreich, auch belehrend, ohne je darüber schwer zu werden. Der Autor geht auch mit sich selbst entspannt um und lässt seinen Vorlieben freien Lauf. Dass er die Figur Eulenspiegels grob und witzlos findet, hält er so wenig zurück wie seine Vorbehalte gegen die römische Renaissance mit ihrer „demonstrativ optimistischen in ihrer Farbenfröhlichkeit stets ein wenig ordinären Daseinspracht“. Ausgiebig lässt er die Quellen zu Wort kommen, gern auch in der originalen Sprachgestalt, das schon gibt einen Eindruck.

Bruno Preisendörfer
Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit
Galiani Verlag, Berlin, 2016
ISBN 978-3-86971-126-3
496 Seiten