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Stetl© Grigorij Heifez

Laboratorium für Jüdisches Kulturerbe in Belarus

Popularisierung des belarussischen jüdischen Kulturerbes, seine Erhaltung unter Einsatz moderner digitaler Technologien, Vorstellung aktueller musealer Konzepte in Deutschland und Europa, Erfahrungsaustausch, strategische Beratung im Bereich der Institutionalisierung des belarussischen jüdischen Kulturerbes: das soll der Beitrag des Laboratoriums zur Entwicklung des jüdischen Kulturerbes in Belarus sein. Das Ziel des Projekts ist es, diesen bedeutenden Aspekt der belarussischen Geschichte in die europäische Erinnerungskultur zu integrieren, den fachlichen und sozialen Austausch zu fördern sowie die internationale Zusammenarbeit im Kulturbereich zu stärken.
 
Belarus hat eine der wichtigsten Rollen in der jüdischen Geschichte und in der Entstehung des jüdischen kulturellen Erbes weltweit gespielt. Über Jahrhunderte hinweg bildeten Juden einen beträchtlichen Anteil der belarussischen Bevölkerung und stellten in mehreren belarussischen Städten die überwiegende Mehrheit dar. Im späten 19. Jahrhundert war der Anteil der jüdischen Einwohner auf dem belarussischen Gebiet der höchste weltweit. Das jahrhundertelange Nebeneinander der beiden Völker hat die nationale Kultur geprägt, aber auch die Kultur in Europa und weltweit beeinflusst. Das belarussische Judentum brachte zahlreiche herausragende Persönlichkeiten von Weltruf auf den Gebieten Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hervor. Historische Katastrophen, der Holocaust, Wellen der Massenmigration und Besonderheiten der sowjetischen Ideologie haben jedoch dazu geführt, dass diese Namen bisher den heutigen Bewohnern der Region wenig bekannt sind.
 
In letzter Zeit gibt es aber ein stets zunehmendes Interesse an diesem Thema. Mit der Suche nach einer nationalen Identität und einem eigenen Platz in der Kulturlandschaft werden sich die Belarussen verstärkt der Wichtigkeit ihrer Geschichte, ihrer Einzigartigkeit und der Rolle der Juden darin bewusst. Dabei ist eine aktive Unterstützung bestehender oder erst entstehender Organisationen und Initiativen sowie einzelner engagierter Personen, die dazu einen Beitrag leisten wollen, erforderlich.
 

Ziele und Aufgaben des Projekts, geplante Aktivitäten

Das Laboratorium will neue Ansätze im Umgang mit dem belarussischen jüdischen Kulturerbe entwickeln. Wichtige Ziele sind dabei:
 
- Unterstützung der Aktivitäten der bestehenden Initiativen und ihre Vernetzung untereinander;
- Erforschung, Erhaltung und Popularisierung des jüdischen Kulturerbes mit modernen Formaten und Technologien;
- Förderung des internationalen Wissenstransfers durch verstärkte Vernetzung einheimischer Institutionen und AktivistInnen mit internationalen ExpertInnen aus europäischen jüdischen Museen;
- Organisation von Studienaufenthalten in ausländischen Partnermuseen für die Fortbildung der Projektteilnehmenden;
- Entwicklung nachhaltiger institutioneller Strukturen durch strategische Beratung und den Ausbau internationaler fachlicher Kontakte;
- Förderung des fachlichen, kulturellen und sozialen Austausches zwischen Belarus, Deutschland und Europa.
 
Im Projekt sind drei thematische Blöcke vorgesehen, in denen neue Formate und Ansätze zur Entwicklung und Popularisierung des jüdischen Kulturerbes in Belarus zum Einsatz kommen. Für den Zeitraum vom April 2020 bis November 2021 sind folgende Module geplant:

Modul 1. Mapping Belarus Shtetl

Schtetl werden kleinere Städte (Orte) mit überwiegend jüdischer Bevölkerung genannt, die in Ostmittel- und Osteuropa vor dem Holocaust bestanden. Sie stellen einen wichtigen Teil der jüdischen Kultur und des jüdischen Lebens in Osteuropa dar und sind aus dem belarussischen jüdischen Kulturerbe nicht wegzudenken.
 
Das vom Zentrum für belarussisches jüdisches Kulturerbe betreute multimediale digitale Projekt «Belarus Shtetl» zielt darauf, das bauliche und kulturelle jüdische Erbe in Belarus zu aktualisieren, zu systematisieren und darüber zu informieren. Dank den Bemühungen zahlreicher belarussischer Organisationen und AktivistInnen konnten bisher viele historische Informationen und Archivdokumente zum Thema Schtetl zusammengetragen werden. Das Projekt will FachexpertInnen wie HistorikerInnen, ArchitektInnen und ProgrammiererInnen hinzuziehen, um dieses Material aufzubereiten und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Insbesondere soll im Rahmen des Projekts das vollständige virtuelle Modell der Synagoge in Slonim mit der Virtual-Reality-Technologie erstellt werden.

Modul 2. Popularisierung des jüdischen Kulturerbes

Um das Thema des belarussischen jüdischen Kulturerbes für die Öffentlichkeit verständlicher und zugänglicher zu machen sowie die Gesellschaft auf die Vielfalt und den Reichtum der gemeinsamen belarussisch-jüdischen Geschichte und Gegenwart aufmerksam zu machen, wird im Projekt ein intensives Veranstaltungsprogramm angeboten. Dieses Programm wird vom Zentrum für belarussisches jüdisches Kulturerbe koordiniert und umfasst in den kommenden beiden Jahren Stadtfeste sowie eine Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen zur Künstlervereinigung UNOWIS, die Anfang 1920er-Jahre in Witebsk bestand und sich um die moderne Weltkultur verdient gemacht hat.

Modul 3. Institutionalisierung des jüdischen Kulturerbes

Im dritten Modul des Projekts steht die umfassende Information der Projektpartner über aktuelle europäische museale Konzepte im Fokus. Vorgesehen sind Konsultationen auf dem Gebiet der strategischen Entwicklung von Organisationen, die sich um das belarussische jüdische Kulturerbe kümmern. Darüber hinaus soll das Projekt fachliche Kontakte der Projektteilnehmenden mit europäischen jüdischen Museen ausbauen und stärken. Dafür sind drei Workshops geplant, zu denen VertreterInnen einschlägiger Institutionen, ForscherInnen und KünstlerInnen aus Belarus, Deutschland, Polen und Russland eingeladen werden. Bei den Workshops wird es um Fragen der Kulturpolitik und der modernen musealen Arbeit gehen. In der Schlussphase des Moduls werden Studienaufenthalte in ausländischen Partnermuseen für die Fortbildung der Projektteilnehmenden organisiert.

Träger des Projekts

Das Projekt geht auf eine gemeinsame Initiative des Goethe-Instituts Belarus, des Zentrums für belarussisches jüdisches Kulturerbe und der Agentur Tradicia History Service (Berlin) zurück. Bei der Entwicklung des Projektkonzepts wurden auch weitere deutsche und belarussische Partner einbezogen. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Östlichen Partnerschaft gefördert.
 
#civilsocietycooperation

Kontaktpersonen:
 
Igor Kuksin
igor.kuksin@goethe.de
 
Tatjana Zaharenka
tatjana.zaharenka@goethe.de

Zentrum für belarussisches jüdisches Kulturerbe
bjch.center@gmail.com

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Tradicia History Service Logo

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