Vortrag Heilung durch Zerstörung?

Schloßplatz (1996). | Foto (Ausschnitt): © Michael Lange Foto (Ausschnitt): © Michael Lange

02.10.2019, 19 Uhr

Galerie Art-Belarus

Ul. Kozlowa 3
Minsk

Schloßplatz (1996)

Mit Wolfgang Kil, Berlin

Ein Berliner Denkmalstreit und seine politischen Dimensionen

Der Palast der Republik in der Mitte Berlins ist viel mehr als nur ein bedeutendes Exempel der DDR-Baugeschichte. Da er mit seinem Gesellschaftssystem nicht einfach verschwand, ist ihm noch als Sanierungsruine eine „posthume“ Bedeutung hinzu gewachsen. Ob er weiter existieren darf oder verschwinden muss, war 18 Jahre lang (!) ein Indikator für die politische Kultur der ehemaligen Doppelstadt, die seit 1990 mühsam um die Überwindung ihrer politischen und kulturellen Trennung rang. Spätestens seit 1992 wollte eine maßgeblich Westberliner Fraktion den DDR-Palast durch eine nachgebaute Kopie des (1951 vernichteten) Schlosses der preußisch-deutschen Kaiser ersetzen. Der Streit nahm seltsamste Formen an, die Hartnäckigkeit der Kontrahenten sorgte mehrfach für überraschende Wendungen. Am Ende siegten die Freunde der Rekonstruktion. Der einstige Prachtbau der DDR-Moderne, obwohl durch improvisierte Nutzungen längst von ideologischer Kontamination befreit, verschwand aus der Mitte der Stadt. An seine Stelle trat die (ökonomisch völlig irrationale) Kopie eines Fantasie-Schlosses, über dessen Nutzung immer noch gestritten wird. Zu den Verlierern zählt auch die inzwischen nachgewachsene Generation: Die wollte in den kahlen Gerüsten der „gereinigten Moderne“ an eigenen Zukunftsideen arbeiten. Die jetzt nachgemachten Barockfassaden bedienen nur die sentimentalen Gefühle von Großeltern und Touristen.

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