Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Interdisziplinäres Projekt
The Right To Be Cold

Der Fokus des grenzüberschreitenden interdisziplinären Projekts „The Right To Be Cold“ liegt auf der sogenannten arktischen und borealen Region. Das Einbeziehen von Fragen zu Indigenem Wissen, Ökologie, Klimagerechtigkeit und Kultur ist dabei von zentraler Bedeutung für die Initiative. Ihr Hauptformat ist eine zirkumpolare Residenzkette sowie ein digitaler Austausch im Jahr 2021. Übergeordnetes Thema ist der Klimawandel, der die nördlichen Lebensbedingungen grundlegend herausfordert und verändert.
 

TRTBC© Goethe Institut Finnland

The Right To Be Cold¹ – Zirkumpolare Perspektiven

Das Programm „The Right To Be Cold” wurde unter Beratung von Tero Mustonen (Snowchange) und Elin Már Øyen Vister (Røst AiR) entwickelt. Das Goethe-Institut möchte auch allen derzeit am Projekt Beteiligten seine Anerkennung aussprechen: Aka Niviâna, Assinajaq, Avataq Cultural Institute, Dáiddadállu, Giovanna Esposito Yussif, Malakta, Patricia Rodas, Sámi Dáiddaguovddáš, Stina Aikio, Sunna Nousuniemi, Nationales Kunstmuseum der Republik Sakha.
 

Bestehende und neue Residenzprogramme in Nunavik, Finnland, Yakutien, Norwegen und Sápmi bilden ein Netzwerk für Künstlerinnen und Künstler sowie Forscherinnen und Forscher im Rahmen dieses Projekts.

Ziele des Residenz-Netzwerks:

  • Ermöglichung und Verwirklichung eines Austausches zwischen den verschiedenen Residenzprogrammen im zirkumpolaren Norden.
  • Entwicklung einer zirkulären Austauschpraxis unter den Residenzen, mit der Möglichkeit zu Interaktionen zwischen den verschiedenen Resident*innen und lokalen Gemeinschaften sowie eines Austausches ihres Wissens und der praktischen Kenntnisse.

Format:
Soweit die aktuelle Situation es erlaubt ist es das Ziel, dass jede*r Resident*in zwei Residenzen an verschiedenen Orten erlebt, insgesamt für bis zu zwei Monate. Dabei gibt es an jedem Ort zeitliche Überschneidungen der Residenten*innen, um einen Austausch von Forschung und künstlerischen Praktiken untereinander und im jeweiligen lokalen Kontext zu ermöglichen.  

Ab März 2021 soll ein digitaler Austausch zwischen den ausgewählten Resident*innen und den Residenzorten beginnen. Hier werden Inhalte ausgetauscht und Ideen entwickelt. Gleichzeitig dient die Kommunikation der Vorbereitung der physischen Residenzen, falls sie wie geplant stattfinden können.

Wir wenden uns an Personen aus verschiedenen Disziplinen und künstlerischen Bereichen (Kunst, Forschung, Literatur, Kuratieren, Erzählen (storytelling), Kunsthandwerk, Film, Architektur, Wissenschaften), die Indigene Wurzeln haben oder ein starkes Wissen und eine intensive Beziehung zu Indigenen Gemeinschaften im zirkumpolaren Norden haben. Die Residenten*innen werden zum Austausch ihrer Praktiken in öffentlichen Formaten für die lokalen Gemeinschaften eingeladen.

Die Kosten für Reise und Unterkunft / Übernachtung / Arbeitsräume jedes*r Residenten*in werden übernommen. Wo möglich, wird ein umweltfreundliche Reise unterstützt. Darüber hinaus erhält jede*r Resident*in ein Stipendium von 500 € pro Residenzwoche. Für den vorbereitenden Austausch erhält jede*r Resident*in eine Pauschale von 500€. Die Residenz-Aufenthalte sind von September bis November 2021 geplant. Bitte beachten Sie die besonderen Verfügbarkeiten der jeweiligen Residenzstätten in den unten folgenden Informationen. Insgesamt werden fünf Residenten*innen ausgewählt.

Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen.
 

Folgende Residenz-Programme nehmen am Netzwerk teil:

Das Avataq Kulturinstitut bietet eine stabile Grundlage für die lebendige Kultur der heutigen Inuit. Seit seinen Anfängen in den 1980er-Jahren, hat sich Avataq eine solide Reputation als kultureller Repräsentant für Nunavik-Inuit erarbeitet und eine wichtige Ressource für die Kultur der Inuit in Kanada und darüber hinaus aufgebaut.  

"Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass Kultur und Sprache der Inuit auch in Zukunft weiterleben, sodass unsere Nachkommen von dem reichen Erbe profitieren, das uns durch die Weisheit unserer Vorfahren überliefert wurde." 

Im Frühling 2009 richtete das Avataq Kulturinstitut eine neue Abteilung als Nunavik Kunstsekretariat unter dem Namen Aumaaggiivik ein. Ihr Ziel ist es, die Entwicklung der Künste in Nunavik zu fördern sowie die  wirtschaftliche Entwicklung anzuregen und langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten im Kunst- und Kultursektor der Region zu schaffen. 

Aumaaggiivik – der Name stammt von einem Inuit-Wort und bedeutet „der Ort, an dem Funken gewonnen werden“ – bietet Künstler*innen aus allen künstlerischen Disziplinen (bildende Künste, Musik, Medien-Künste, Literatur, Erzählen, etc.) Unterstützung, indem man hier ihre Karriere durch ein Programm von Kunststipendien und spezielle Kurse fördert. 

Aumaaggiivik bietet außerdem „Artist-in Residence“-Aufenthalte und unterstützt die Errichtung von lokaler Infrastruktur, um den Künstler*innen Arbeitsstätten zu bieten und die Kunst sowohl in der Region als auch auswärts zu promoten.
Malakta kann als ein Ökosystem angesehen werden, das für und mit Blick auf Künstler*innen gebaut wurde.  

In den vergangenen 13 Jahren hat Malakta die Infrastruktur immer weiter ausgebaut, um verschiedenste Veranstaltungen im künstlerischen Bereich zu ermöglichen. Dazu gehören Residenz-Programme, Workshops, Laboratorien, etc. zum kulturellen Austausch zwischen den Gastkünstler*innen und der Region. 

Da Malakta geografisch innerhalb der Bevölkerungsminderheit der Finnlandschwed*innen und zudem an der Peripherie der ‚zentralisierten Kunstwelt‘ liegt, richtet sich unser Fokus darauf, mehr Künstler*innen mit einem besonderen Interesse an Natur und Umwelt zu gewinnen. 

Zieht man eine Parallele zu den Indigenen Gemeinschaften, kann ein gegenseitiges Interesse erreicht werden, indem der menschliche Zustand durch die geopolitischen Umstände, die Geschichte, die Kultur geteilt, untersucht und verstanden wird und auch unser tägliches Leben in Symbiose mit der Umwelt verbessert wird. 

Malakta AiR konzentriert sich darauf, Künstler*innen für die Malakta-Kunstgemeinschaft zu gewinnen, die sich in ihrer Kunstpraxis von der Natur inspirieren lassen. Natur als Thema, aber auch Natur als Rohmaterial. Natur als per Definition etwas, das menschlichen Schöpfungen gegensätzlich ist, und Kunst als physischer Prozess menschlicher Schöpfung. Mit den Ergebnissen der Residenz ist Erfahrung und wachsendes Bewusstsein zwischen natürlichen und vorgefertigten Lebensräumen verbunden, in die sich die heutige Gesellschaft bewegt. 

Das Ziel der Malakta-AiR-Programme ist es, Begegnungen zwischen Kunst und Natur zu schaffen, das Bewusstsein für Natur und Kunst zu stärken und es Gastkünstler*innen zu ermöglichen, ihre Arbeiten in einer unterstützenden und kreativen Umgebung, zu entwickeln, zu schaffen und zu teilen. Dies umfasst auch eine blühende Kunstgemeinschaft und speziell gebaute Arbeitsräume mit der Natur vor der Haustür. Malakta-AiR baut seine Multi-Art-Residenz-Programme weiter aus, die eine klare und direkte Wirkung auf lokale und regionale Gemeinschaften haben. Das trägt zu einer vielseitigeren und virilen Kunstszene bei und schafft neue Formen partizipativer und gemeinschaftlicher Kunst in der Region. 
Das Nationale Kunstmuseum der Republik Sakha (Yakutien) ist ein wichtiges Zentrum für Kunst und Kultur der kältesten bewohnten Stadt der Welt: Yakutsk. 1928 gegründet, kristallisiert das Museum die Erfahrung vieler Generationen von Künstlern, die das Bild der nördlichen Region unter den schwierigen historischen Bedingungen kultivierten. Das Nationale Kunstmueum der Republik Sakha ist mit acht Niederlassungen über die Republik verteilt vertreten und wurde 2019 mit dem „Haus der Künstler“ erweitert – einem der bedeutendsten Orte für die Kunstszene aus den 1960er-Jahren.
 
Wir laden Künstler*innen aus verschiedensten Disziplinen ein, deren Arbeiten auf die Themen des Projekts von „The Right To Be Cold” abzielen und die an den lokalen Kontext gerichtet sind. Unerlässlich ist ein Dialog mit lokalen Resident*innen, Künstler*innengespräche, von den Künstler*innen geleitete Workshops. Eine öffentliche Präsentation der Abschlussarbeiten wird von den Museumsmitarbeiter*innen unterstützt.
 
Ein Atelier im Künstler*innenhaus wird gestellt, ein*e Koordinator*in aus den Mitarbeiter*innen des Nationalen Kunstmuseums der RS (Y), unterstützt die Kommunikation mit lokalen Institutionen und der Kunstszene.

 
Røst AiR ist eine multidisziplinäre Non-Profit-Vereinigung mit Artist-in-Residence- und Artist-run-Programmen. Sie hat ihren Sitz auf Røst und zusätzlich während der Sommermonate einen Standort im Leuchtturm auf Skomvær, einer Insel im Schärengürtel vor Røst (Nordnorwegen/Sápmi, 67. Breitengrad). Nur einen Steinwurf entfernt liegt das Naturreservat Nykan, auf dem sich die größte nordeuropäische Kolonie von Seevögeln befindet. 

Unsere Schwerpunkte und Interessen beinhalten folgende Bereiche, sind aber nicht auf sie beschränkt: ökologische Umstellung, Geopolitik, Diversität, Selbstversorgung, Rassen- und Gendertheorie und die Schnittstellen zwischen Ökologie, dekolonialem Denken und Handeln sowie postkolonialer Feminismus und Queer-Theorie. Standortspezifische Projekte, Prozessarbeit und interdisziplinäre Treffen werden gefördert. Trotzdem möchten wir unterstreichen, dass wir für jegliche Art von singulären oder gemeinschaftlichen Ausdrucksformen künstlerischer Praktiken offen sind. 

Røst AiR arbeitet an alternativen Wegen, um in dieser Welt zu navigieren, sie zu erschaffen und in ihr zu sein, und erforscht beispielsweise das Potenzial postfossiler Brennstoffe. Wir lassen uns inspirieren von der Tradition der Küsten-Sámi sowie der nordnorwegischen Fischerei und Landwirtschaft und legen allmählich die alten Gemüse- und Kräutergärten am Leuchtturm wieder an.
Dáiddadállu 
Dáiddadállu ist ein einzigartiges Sámi-Kunstkollektiv in Guovdageaidnu/Kautokeino, Sápmi, das 2014 gegründet wurde.  

Die Künstler*innen auf Dáiddadállu verfügen über Fachkenntnisse in ihren jeweiligen Bereichen und zusammen vertreten wir Themen wie visuelle zeitgenössische Kunst, Fotografie, Film, Fernsehproduktion, Grafikdesign, Schreiben, Musik, Choreografie, Innenarchitektur, Schauspiel, Joik und Musik. Alle Dáiddadállu-Mitglieder halten Verbindung zu Guovdageaidnu/Kautokeino, reisen aber und arbeiten an Projekten auf der ganzen Welt. Das übergeordnete Ziel von Dáiddadállus ist es, ein starkes, aktives Umfeld für sámische Künstler*innen zu schaffen. Unser Ziel ist die Professionalisierung der Disziplinen sowie die Rentabilität der Geschäftstätigkeiten der Künstler/innen.

Sámi Dáiddaguovddáš/Sámi-Center für Zeitgenössische Kunst (SDG)  
SDG wurde 1986 vom Sámi-Kunstverband gegründet, der 2013 zusammen mit dem Sámi-Parlament von Norwegen die Stiftung Sámi Dáiddaguovddás initiierte. Die Stiftung setzt die 1986 begonnenen Arbeiten in ihren neuen Räumlichkeiten in Karasjok fort, die 2014 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. 

Im neuen Zentrum bietet SDG ein umfangreiches Programm von Ausstellungen und Events in erster Linie zu zeitgenössischer Kunst der Sámi von Künstler*innen aus Norwegen, Schweden und Finnland, aber auch von internationalen Künstler*innen. SDG soll ein „Ressourcenzentrum“ für zeitgenössischen Sámi-Kunst sein, es engagiert sich aber auch außerhalb bei nationalen und internationalen Aktivitäten. 

Es ist der Auftrag von SDG, die visuelle Kunst der Sámi und ähnliche Bestrebungen zu fördern und zu präsentieren, als führendes Ressourcenzentrum für die zeitgenössische Kunst der Sámi zu fungieren und als kraftvoller, anerkannter, respektierter und allgemein sichtbarer Akteur in der zeitgenössischen Kunstszene zu dienen. SDG arbeitet an der Entwicklung und Ausweitung der Begegnungen zwischen zeitgenössischer Sámi-Kunst und der Öffentlichkeit. Zu den SDG-Zielsetzungen zählt auch, zeitgenössische Kunst zu präsentieren, Interesse dafür zu wecken und Betrachter*innen zu helfen, zeitgenössische Kunst zu schätzen, einen Ort für neue experimentelle künstlerische Praktiken zu schaffen und künstlerische Freiheit zu gewährleisten.

 ¹ Der Titel des Projekts stammt aus dem langen Kampf der Inuit um ihre Rechte im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Das gleichnamige Buch von Sheila Watt-Cloutier (2015, Allen Lane Publication), zeugt von ihrer Pionierarbeit bei der Verknüpfung des Klimawandels mit den Menschenrechten mit der Inuit-Petition, die sie und 62 andere Inuit aus Kanada und Alaska bei der Amerikanischen Kommission für Menschenrechte 2005 in Washington DC eingereicht haben. Inuit-Repräsentanten und Klimawandel-Aktivisten verwenden diesen Ausdruck für ihren Kampf in der Hoffnung, dass die politische Führung erkennt, wie stark ihre Gemeinschaften vom Klimawandel betroffen sind. Auch wenn die Kommission die Inuit-Petition nicht annahm, gab es eine historische Anhörung zu den rechtlichen Auswirkungen und Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Menschenrechten. Okalik Eegeesiak, die ehemalige Vorsitzende des Inuit Circumpolar Council (ICC), verwendete diesen Ausdruck in ihrer Rede bei der UN-Klimakonferenz COP 21 am 3. Dezember 2015 in Paris: „Der Klimawandel ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern ein Menschenrechtsproblem, und das Abschmelzen der Arktis wirkt sich auf alle Aspekte des Lebens der Inuit aus. Daher muss der endgültige Text die Rechte der indigenen Völker wirksam machen und in Artikel 2.2 beibehalten. Wir haben das Recht kalt zu sein“, argumentierte Eegeesiak.

Das Goethe-Institut

Das Goethe-Institut ist das Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland, das eine globale Reichweite hat. Eine seiner Hauptaufgaben ist die Unterstützung und Förderung des internationalen Kulturaustauschs, da Begegnung und Dialog für freie und diskursive Gesellschaften von fundamentaler Bedeutung sind. Unsere Projekte bringen künstlerische, wissenschaftliche, soziale und alltägliche Praktiken und Gedanken zusammen, die die Vielfalt der Kulturen in unseren Gesellschaften widerspiegeln. Wir versuchen, impliziertes Wissen sichtbar zu machen, hegemoniale Narrative in Frage zu stellen und andere mögliche Perspektiven bei der Gestaltung und Kommunikation unseres Programms zu berücksichtigen. Wir legen größten Wert auf Zusammenarbeit und gemeinsame Arbeit in unserem Team und mit engagierten Partnern.

Die Klimakrise bedroht alle Gesellschaften, insbesondere diejenigen, die im zirkumpolaren Norden leben. Während indigene Kenntnisse in internationalen Diskursen zunehmend anerkannt werden, werden sie insbesondere als Antwort auf die Herausforderung des Klimawandels betrachtet. Das Programm „The Right To Be Cold“ erkennt den Zusammenhang und die Wechselbeziehung zwischen der Dringlichkeit der Klimakrise und der Relevanz der indigenen Rechte und der Selbstbestimmung an. Das Projekt ist ein Ausgangspunkt für den Wissensaustausch und die Verbindung von Diskursen im Norden mit denen im Süden.

Die Residenzkette ist thematisch ein Teil des Dossiers The Right To Be Cold, mit einer wachsenden Anzahl von Texten von Menschen aus dem zirkumpolaren Norden unter dem Motto "Klimagerechtigkeit für die Arktis". Dieses ist wiederum eingebettet in das Online-Magazin Ecologues - Wie wir das Zeitalter des Menschen überleben, mit Beiträgen von Expert*innen aus der ganzen Welt.
 

TRTBC© Goethe Institut Finnland
Top