Berlinale-Blogger 2017 Aber getanzt wird nicht!

Benson Jack Anthony
Ellery Ryan © Matthewswood Pty Ltd

In „My Entire High School Sinking into the Sea“ und „Emo the Musical“ wird nicht getanzt, dafür darf man in beiden Filmen auch mal lachen – zum Abschluss dieser wieder einmal sehr problembewussten Berlinale ist das vielleicht die richtige Haltung.

Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft war ein großes Thema dieser Berlinale. In der amerikanischen High-School-Komödie allerdings war sie schon immer präsent. So finden sich deren strenge Hierarchien und Klassenkämpfe auch in My Entire High School Sinking into the Sea, Dash Shaws äußerst originellem Beitrag zur Kinder- und Jugendsektion Generation. Darin bekommen sich der ambitionierte Schülerzeitungsredakteur Dash und sein Co-Autor Assaf zunächst in die Haare, um nach einem Erdbeben mit und gegen alle anderen ums Überleben zu kämpfen. Der Clou: Dash Shaw (Love Eats Brains) ist im wahren Leben Comic-Autor, und sein wildes Katastrophenszenario komplett gezeichnet. In den krakelig-psychedelischen Storyboards finden der Humor eines Wes Anderson und die kindliche Welt der Peanuts zusammen. Die prominenten Stimmen von Jason Schwartzman, Lena Dunham und Susan Sarandon (als grimmige Suppenköchin Lunch Lady Lorrain) machen den süffisanten Indie-Spaß perfekt.
 
Schwarzen Humor satt gibt es auch in Emo the Musical, einem sehr komischen Film über sehr unkomische Leute. Wegen eines vorgetäuschten Suizidversuchs fliegt Ethan, einziger Emo seiner kleinen schlimmen Welt, von der High-School. An der neuen Schule muss er beweisen, dass er es wirklich ernst meint: Die Emo-Schulband Worst Day Ever duldet keinen Fake! Mit Songs wie We’re all going to die spielt er sich in ihre tiefschwarzen Herzen, doch seine Liebe zu Trinity, Sängerin einer verfeindeten Christenband, droht seine neugewonnene Beliebtheit zu torpedieren. Der australische Filmemacher Neil Triffett zeichnet eine total verkehrte Welt, in der die Außenseiter die Regeln bestimmen. Leider wird dadurch nichts besser, im Gegenteil: Im Streit um Proberäume und Instrumente kommt es zu Bibelverbrennungen und Zwangstaufen. Ethan muss sich auf die wahren Emo-Ideale besinnen und alle versöhnen. Das gelingt durch zuckrig-ironische Songs jeder Spielart, aber getanzt wird nicht – auch nicht in einem Musical! Zum Abschluss dieser wieder einmal sehr problembewussten Berlinale ist das vielleicht die richtige Haltung.