Elisabeth Mann Borgese: Die Mutter der Ozeane
Deutsche Spuren in Halifax

  • Haus von Elisabeth Mann Borgese auf Sambro Head © Goethe-Institut Montreal
    Haus von Elisabeth Mann Borgese auf Sambro Head
  • Haus von Elisabeth Mann Borgese © Goethe-Institut Montreal
    Haus von Elisabeth Mann Borgese

Elisabeth Mann Borgese: „Die Mutter der Ozeane”

Mit dem Erhalt eines „Killam Stipendiums“ der Dalhousie Universität in Halifax zog die gebürtige deutsche Seerechtsexpertin, Umweltaktivistin und Autorin Elisabeth Mann Borgese 1979 nach Kanada. Aufgrund ihres ausgezeichneten Fachwissens erhielt sie einen Lehrstuhl für Politikwissenschaften. Für viele Jahre sollte Nova Scotia ihre Wahlheimat werden und sie wurde, wie sie es selbst gerne ausdrückte, „der Gast, der für immer blieb.“

Ihr Interesse am Schutz und dem friedvollen Gebrauch der Weltmeere zieht sich durch ihre Karriere und neben ihrer Arbeit an der Universität, an der sie Bachelor- und Masterstudenten Seerecht lehrte, gründete sie eine „unabhängige Weltkommission für Meere“, die als eine Organisation mit UN-Beobachtungsstatus funktionierte. Sie reiste durch die Welt, organisierte Konferenzen, sammelte Gelder für ihre Projekte und engagierte sich für Projekte wie der Gründung des „International Ocean Instituts“, welcher heute Teil eines weltweiten Netzwerkes von 25 Zentren ist.
 
In ihrem Haus auf Sambro Head, das eine wunderschöne Aussicht über das Meer bot, lud sie gerne Besucher ein und ließ sich von der Umgebung und den Menschen zu ihrer Arbeit inspirieren, für die sie im Laufe ihrer Karriere Auszeichnungen in Österreich, Deutschland, Großbritannien, China, Kolumbien und Kanada erhielt. Sie nahm insgesamt vier Staatsbürgerschaften an und erhielt fünf Ehrendoktortitel. Als Autorin von Zeitungsartikeln, Büchern, Kurzgeschichten, Theaterstücken und Gedichten hinterließ sie nach ihrem Tod eine vielfältige Sammlung literarischer Texte. Das Material ist in der „Killam Library“ der Dalhousie Universität archiviert und bietet heute eine Grundlage für verschiedenste Forschungsprojekte. 
 
Als jüngste Tochter des deutschen Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann wurde Elisabeth 1918 in München geboren. Ihre Jugend verbrachte sie mit ihren fünf Geschwistern größtenteils im Exil. Kurz nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurde dem Familienvater sein Ehrendoktortitel an der Universität zu Bonn aberkannt. Nach Umzügen in die Schweiz und die Vereinigten Staaten erhielt die Familie die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1939 heiratete Elisabeth den 30 Jahre älteren G.A. Borgese, der als Professor für italienische Literatur an der Universität in Chicago arbeitete. Nach der Geburt zweier Töchter und einem weiteren Umzug 1952 nach Florenz verstarb Elisabeths Ehemann überraschend kurze Zeit später. 
 
Einige Jahre danach erhielt sie das Angebot eines ehemaligen amerikanischen Kollegen, Robert Hutchins, Mitglied im Zentrum für Studien demokratischer Institutionen im kalifornischen Santa Barbara zu werden. Sie nahm das Angebot an, zog zurück in die Staaten und übernahm die Führung eines 3-jährigen Projekts, dessen Höhepunkt 1970 eine Konferenz mit dem Titel „Pacem in Maribus“ („Peace in the Oceans“) war. Diskutiert wurden Themen hinsichtlich des friedvollen Gebrauchs der Meere mit der Vision, die Ozeane zum gemeinsamen Erbe der Menschheit zu erklären. 

Während eines Spaziergangs entlang des Hafens in Halifax mit Blick auf den Atlantik kann man der Arbeit der „Mutter der Ozeane“ und ihrem unvergleichlichen Engagement für den Schutz unserer Weltmeere gedenken.

 International Ocean Institut