Die „Little Dutch Church“
Deutsche Spuren in Halifax

  • Friedhof der „Little Dutch Church“ © Goethe-Institut Montreal
    Friedhof der „Little Dutch Church“
  • Die „Little Dutch Church“ in Halifax © Goethe-Institut Montreal
    Die „Little Dutch Church“ in Halifax
  • Die „Little Dutch Church“ in Halifax © Goethe-Institut Montreal
    Die „Little Dutch Church“ in Halifax
  • Tafel der „Little Dutch Church“ © Goethe-Institut Montreal
    Tafel der „Little Dutch Church“

Die "Little Dutch Church"

Kurz nachdem die britische Regierung knapp 2000 Siedler unter der Führung Edward Cornwallis nach Kanada aussandte, um einen Militärstützpunkt zu errichten, der die Vormacht Großbritanniens gegen Frankreich sichern sollte, wurde klar, dass deutlich mehr Siedler und Kenntnisse vonnöten waren, um die Kolonisation der Region voranzutreiben.

Kurz nachdem die britische Regierung knapp 2000 Siedler unter der Führung Edward Cornwallis nach Kanada aussandte, um einen Militärstützpunkt zu errichten, der die Vormacht Großbritanniens gegen Frankreich sichern sollte, wurde klar, dass deutlich mehr Siedler und Kenntnisse vonnöten waren, um die Kolonisation der Region voranzutreiben. Circa 300 Einwohner aus den südwestlichen Gebieten Deutschlands (Pfalz und Württemberg), dem französischen Fürstentum Montbéliard und der Schweiz reagierten auf ein Angebot der britischen Regierung, eine freie Überfahrt und Bauland in Nordamerika im Austausch für ihre Arbeitskraft zu erhalten. Bei ihrer Ankunft in Kanada wurde den Immigranten das nördliche Gebiet außerhalb der Stadtpalisaden von Halifax zur Besiedlung bereitgestellt und etliche auf der Überfahrt an Typhus verstorbene Siedler wurden auf einem Stück Land in jenem Gebiet beigesetzt. 
 
Als sich herausstellte, dass die Neuankömmlinge über keinerlei Englischkenntnisse verfügten, wurde dem Wunsch der „Foreign Protestants“ und weiteren 3000 Neuankömmlingen in den Folgejahren von 1750 bis 1753 nachgegeben, eine kleine deutsche Kirche auf dem Massengrab der verstorbenen Siedler errichten zu dürfen, in der sie ihren evangelischen Glauben praktizieren und Messen in deutscher Sprache abhalten konnten. Eine einfache Holzhütte wurde auf dem Friedhof errichtet und 1760 mit einem Kirchturm samt Wetterhahn ausgestattet, der nach alter Tradition aus dem Blatt einer alten Schaufel geschmiedet wurde. Bis 1786 konnte sich die Gemeinde keinen Pastor leisten, sodass die Messen vom Schulmeister Johann Gottfried Torpel gehalten wurden. Schließlich kam der deutsche Pfarrer Bernand Houseal nach Halifax, um der deutschen Gemeinde als Missionar zu dienen. Er war aufgrund seiner Beliebtheit bis zu seinem Tod im Jahre 1799 tätig und ruht unter der „Little Dutch Church“. 
 
Die wachsende deutsche Gemeinde nördlich der Palisaden wurde oft als „Dutch Town“ bezeichnet, basierend auf einer Anglisierung und Fehlbezeichnung des Wortes „deutsch“. 1764 wurde einem Antrag der Gemeinde stattgegeben, den Bezirk nach der Stadt Göttingen zu benennen, aber, nachdem sich die Brunswick Street mit ihrem Bezug zu Braunschweig als Hauptverkehrsader herausgebildet hatte, wurde der Name weniger gebräuchlich. Heute erfreut sich die „Gottingen Street“ durch günstige Mieten und der Eröffnung kleiner alternativer Läden und Lokale steigender Beliebtheit und gewinnt wieder an Bedeutung für das „North End“ Viertel in Halifax.

Ein Spaziergang entlang der „Gottingen Street“ Richtung „Little Dutch Church“ gibt Einblick in ein multikulturelles Viertel von Halifax, das rasanten Veränderungen unterworfen ist. Zudem lohnt sich ein Besuch des Friedhofs der „Little Dutch Church“, auf dem man deutsche Familiennamen finden und die frühesten Ursprünge deutscher Einwanderungsgeschichte erforschen kann.