Pier 21
Deutsche Spuren in Halifax

  • Immigrationsmuseum am Pier 21 © Goethe-Institut Montreal
    Immigrationsmuseum am Pier 21
  • Immigrationsmuseum am Pier 21 © Goethe-Institut Montreal
    Immigrationsmuseum am Pier 21
  • Tafel des Pier 21 © Goethe-Institut Montreal
    Tafel des Pier 21

Das Immigrationsmuseum am Pier 21

Die ehemalige Anlegestelle am Pier 21 im Hafen von Halifax war zwischen 1928 und 1971 Ausgangspunkt für über eine Million Immigranten überwiegend europäischer Herkunft, die auf der Suche nach einem besseren Leben in zahlreichen Passagierschiffen den Atlantik überquerten.

Aufgrund seiner außergewöhnlichen Bedeutung für die Einwanderungsgeschichte des Landes gehört das „Canadian Immigration Museum Pier 21“ zu den Nationalmuseen Kanadas. 
 
Seit der Entdeckung Nordamerikas entwickelten sowohl die britische als auch französische Regierung gezielte Strategien zur Kolonisation Kanadas, um sich die Vormachtstellung im Land zu sichern. Die maritime Region an der Ostküste spielte dabei eine entscheidende Rolle, da sie eine beliebte Anlaufstelle für den Großteil der Schiffe aus Europa war und eine weitere Besiedlung über Land ermöglichte. Bereits 1750 lief die erste britische Flotte von 13 Transportschiffen unter der Führung von Edward Cornwallis ein und führte eine stolze Zahl von 2375 Siedlern samt Männern, Frauen und Kindern zur Kolonisation der Festungsstadt mit sich. Knapp 300 der Siedler waren deutschsprachig und in den folgenden Jahrzehnten sollte die Anzahl europäischer Immigranten stetig zunehmen. 1928 wurde der bescheidene Pier 2 mit einer großen Halle für Immigrationszwecke am Pier 21 ersetzt. 
Mit ihrem Hab und Gut wurden die Immigranten nach ihrer Ankunft auf dem Schiff in das geschäftige Treiben de Piers entlassen und von Nonnen und freiwilligen Helfern des Roten Kreuzes in Empfang genommen. Sie galten als das gute Herz des Piers und boten den Immigranten ein offenes Ohr für ihre Ängste, Sorgen und Schwierigkeiten. Für alle war die Einwanderung ein bedeutender Wendepunkt in ihrem Leben und für viele wog die Last der Ungewissheit und Veränderung schwer. In einigen Fällen war medizinische Versorgung vonnöten, da die lange Überfahrt gesundheitliche Folgen haben konnte. Es wurden Übersetzungsdienste angeboten und Kinder betreut, während sich die Eltern um den Erhalt der Einwanderungspapiere kümmerten. Nach einigen Stunden Wartezeit auf den Bänken der Ankunftshalle wurden die Familien namentlich aufgerufen und mit einem Stempel im Pass, der sie zu „Permanent Residents“ Kanadas erklärte, in die Ungewissheit entlassen. 
 
Immigrationsgeschichten und Erfahrungen wie die von Barbara Boldt (geboren Hartmann), die 1952 mit dem Schiff „Italia“ von Hamburg nach Halifax immigrierte und über den Pier 21 kanadischen Boden betrat, lassen sich in vielen ansprechenden Kurzfilmen in dem Museum nachempfinden. Der Nachkriegszeit entflohen und mit Aussicht auf Arbeit, bewarb sich die damals junge Frau als fleißige deutsche Hausangestellte in Kanada und ermöglichte nach erfolgreicher Bewerbung sogar ihren Brüdern eine Auswanderung. Zusätzlich zu diversen weiteren audio-visuellen Erzählungen deutscher Immigranten kann man im Museum nahezu alle Schiffsrouten nachverfolgen, die im Laufe der Jahre zwischen Deutschland und Kanada operierten. Einige Informationen sind online einsehbar, doch ein Besuch des Museums empfiehlt sich sehr und beim Stöbern durch Passagierlisten und Familiengeschichten verfliegt die Zeit.
 Barbara Boldts Immigrationsgeschichte