"Schmidtville"
Deutsche Spuren in Halifax

  • Dreden Row, © Goethe-Institut Montreal
    Dreden Row, "Schmidtville"
  • Häuser in © Goethe-Institut Montreal
    Häuser in "Schmidtville"
  • Häuser in © Goethe-Institut Montreal
    Häuser in "Schmidtville"

Das historische Stadtviertel

Christian Wilhelm Schmidt aus dem deutschen Rottenburg war ein 22-jähriger Kapitän in König Georgs III „Royal Foreign Artillery“ und kam aufgrund des amerikanischen Revolutionskrieges nach Kanada. Er ließ sich in Halifax nieder und heiratete Elizabeth Pedley, die Tochter des britischen Händlers und Grundstückseigentümers James Pedley. Als dieser 1807 verstarb, hinterließ er seiner Tochter Elizabeth ein großes Stück Weideland namens „Pedley’s Field“ außerhalb der Stadtpalisaden von Halifax.
 

Zwei Jahre nachdem auch ihr Ehemann Christian Schmidt verstorben war, unterteilte Elizabeth das Weideland 1830 in 79 Baugrundstücke, die sich zwischen „Springarden Road“, „Dresden Row“ und „Morris Row“ erstreckten. Die Benennung der Straßen in „Dresden Row and Rottenburg“ (heute „Clyde Street“) nahm Bezug auf Christian Schmidts deutsche Herkunft und auch die „Birmingham Street“ wurde nach Pedleys Geburtsort in England benannt. Die Gegend entwickelte sich schnell zu einem lebendigen kleinen Vorort, in dem Kaufmänner, Kunsthandwerker, Segelmacher und Freskenmaler lebten. Er erhielt den Namen „Schmidt’s Village“ und zeichnete sich durch schlichte Gebäude im gregorianischen Stil aus. Zunehmende Beliebtheit und steigender Wohlstand dieser Nachbarschaft führten zum Bau vereinzelter Gebäude im viktorianischen Stil mit aufwendigen Ornamenten und Mansardendächern. Eine weitere architektonische Besonderheit dieses Viertels sind die sogenannten Spiegelhäuser, die einen identisch jedoch gespiegelten Grundriss besitzen und als Zweifamilienhäuser unter einem Dach zusammengefasst sind. 
 
Während des 20. Jahrhunderts war „Schmidtville“ Heimat vieler Einwanderer deutscher, irischer, englischer, italienischer und schottischer Herkunft. Etliche Grundstücke wurden in kommerzielle Verkaufsflächen umgewandelt und dienten als Supermarkt, Wäschereien, Schneidereien und Tabakläden. Als Folge einer großen Explosion in der Stadt im Jahre 1917 wurde den zweigeschossigen Häusern eine weitere Etage aufgesetzt, um dem Wohnungsmangel in Halifax gerecht zu werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und aufgrund einer Verschiebung der Bevölkerung in Vororte verschlechterte sich die Wohnsituation des Viertels. Die Hälfte der Häuser wurde abgerissen und während der Stadterneuerung in den 60er-Jahren in Parkplätze umgewandelt. Trotzdem wurde ein Großteil des ursprünglichen „Schmidtville“ durch ein von der Regierung finanziertes Programm gerettet, was einen Zuzug von neuen Eigentümern zur Folge hatte, die den Wert des Viertels erkannten und liebevolle Renovierungen vornahmen.

Heute ist „Schmidtville“ wieder eine lebendige Nachbarschaft im Herzen von Halifax und stellt eine unmittelbare Verbindung zur frühen Siedlungsgeschichte her.

 Webseite des Stadtviertels