Das Holocaust Museum Montreal
Deutsche Spuren in Montreal

  • Das Holocaust Museum in Montreal © Monik Richter
    Das Holocaust Museum in Montreal
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    Das Holocaust Museum in Montreal
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    Das Holocaust Museum in Montreal
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    Das Holocaust Museum in Montreal

Holocaust Gedenkstätte und Museum

Keine der vorausgegangenen oder nachfolgenden jüdischen Immigrationswellen des 20. Jahrhunderts in Richtung Kanada sollte einen so prägenden Einfluss auf die schon in den 1940er-Jahren imposante jüdische Gemeinde Montreals haben wie die Ankunft von ca. 100 000 überlebenden Juden aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern zwischen 1947 und 1952. Ungefähr 30 000 unter ihnen fanden in Montreal ein neues Zuhause. Damit ist Montreal, nach Tel Aviv und New York, an dritter Stelle der Städte, welche, proportional zu ihrer Einwohnerzahl, die größte Anzahl an Überlebenden der Schoah aufgenommen haben.

Die sehr dynamische jüdische Gemeinde Montreals ist seit mehr als 250 Jahren ein wesentliches Element der Geschichte der französischsprachigen Provinz Quebec. Dort hat sie sich aufgrund ihrer Beiträge zu Fortschritten im sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und universitären Bereich, vor allem innerhalb der Metropole Montreal, einen soliden Platz geschaffen. Von den ersten jüdischen Einwanderern, die sich ab 1760 schon größtenteils in Montreal selbst und im südlichen Sankt-Lorenz Tal niedergelassen hatten, über mehrere Einwanderungswellen vor allem im 20. Jahrhundert sowie natürlich auch durch natürlichen Zuwachs, hat sich die heutige jüdische Gemeinde mit ihren circa 91 000 Seelen allein in Montreal als integraler Bestandteil dieser multi-kulturellen Metropole Kanadas profiliert. 
 
Zahlreiche nationale und regionale jüdische Hilfsorganisationen und auch viele Privatleute hatten sich ab 1947 oft vollzeitmäßig und langfristig der Integrationshilfe der in diesen Jahren eintreffenden und zutiefst traumatisierten NS-Flüchtlinge gewidmet. Dies war eine Erfahrung, die gerade auch innerhalb der schon lange ansässigen jüdischen Gemeinde selbst gravierende Spuren hinterlassen sollte.

Auf Initiative und unter aktiver Mitarbeit zahlreicher überlebender und ehemaliger Flüchtlinge errichtete die Stadt Montreal 1979 eine Holocaust Gedenkstätte, welche sich, dank der ungefähr 10 300 gesammelten Objekte zur NS-Judenverfolgung in Deutschland und Europa, zum wichtigsten Museum der Schoah in Kanada entwickelt hat. Kern der Gedenkstätte sind eine zentrale Dauerausstellung sowie weitere Wander- und virtuelle Ausstellungen, welche die Geschichte der Schoah vor allem mit Berichten der Überlebenden selbst dokumentieren.

Ein besonderes Augenmerk ist darauf gelegt worden, Kinder und Jugendliche direkt anzusprechen. So werden beispielsweise zahlreiche didaktische Programme für Lehrer, die speziell für den Primär- und Sekundarunterricht in Schulen vorgesehen sind, angeboten. Mit Hilfe von ganz persönlichen Dokumenten der Opfer der NS-Verfolgung, zum Beispiel Lebensläufen, Lebensgeschichten, Fotografien und Objekten aus der Zeit vor und während ihrer Inhaftierung in den NS-Konzentrationslagern, soll den Besuchern der Gedenkstätte oder Schulklassen innerhalb ihres Geschichtsunterrichts ein Einblick in die Geschichte von Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus gegeben werden.

Gerade auch die Fragen nach der oft wahrzunehmenden Indifferenz gewisser Gesellschaftsgruppen gegenüber diesen Gewaltphänomenen mit den daraus resultierenden Konsequenzen werden offen angegangen.