Der Architekt Rolf Duschenes
Deutsche Spuren in New Brunswick

EIn deutsch-jüdischer Architekt

Das imposante Bürogebäude in der Regentstreet 1445, gleich nach der Kreuzung neben dem großen Einkaufszentrum, ist der Hauptsitz der königlichen berittenen Polizei Kanadas, „Royal Canadian Mounted Police“ (RCMP) genannt, in der Provinz Neubraunschweig. Entworfen wurde das 1990 eröffnete 14,000 Quadratmeter große Gebäude von Rolf Duschenes, einem Architekten deutsch-jüdischer Herkunft.

Der leicht von der Straße zurückgesetzte rote Backsteinbau ist stufenförmig und wird in seiner Mitte von einem Atrium aus Glas zusammengehalten, dessen Vorderseite die Treppenbewegung aufgreift und dessen Fassade an einen Wasserfall erinnert. Als eines der ersten öffentlichen Gebäude in der Provinz, das nach umweltfreundlichen, energiesparenden und nachhaltigen Gesichtspunkten gebaut wurde, ist es ein Musterbeispiel für die zahlreichen Gebäude, mit denen Rolf Duschenes und seine Firma „Duschenes, Fish&Stars“ die Architektur Neubraunschweigs maßgeblich mitgeprägt haben.

New Brunswick Headquarters (J Division) New Brunswick Headquarters (J Division) | © Goethe-Institut Montreal Aufgewachsen in Hamburg als Kind einer gebildeten deutsch-österreichischen Familie, floh der junge Student Rolf Duschenes 1937 aus Deutschland und kam nach zwei Jahren in Prag, der Schweiz und England über England nach Kanada. Nach zweieinhalb Jahren im Internierungslager Sherbrooke in Quebec wurde ihm von privater Hand Unterstützung zuteil, um an der Universität McGill Architektur zu studieren. Nach seinem Abschluss erhielt er eine Stelle bei der renommierten Architekturfirma „Ross and MacDonald“ in Montreal. Diese schickte ihn 1948 mit einem Projektauftrag nach St. John, wo es ihm so gut gefiel, dass er sich dort mit seiner Ehefrau Ermon Frey niederließ und eine Zweigstelle des Montrealer Architektenbüros eröffnete. Seine Karriere war von Erfolg gezeichnet: 1959 wurde er Partner der Firma (Duschenes, Fish&Stars), etliche seiner Designs waren preisgekrönt und er wurde schließlich Vorsitzender des Architekturverbands Neubraunschweigs, sowie unter anderem Mitglied des königlichen Instituts für Architektur in Kanada (Fellow of the Royal Architectural Institute of Canada, FRAIC). 1983 wurde ihm für sein Lebenswerk der kanadische Orden verliehen, welcher Kanadas höchste Auszeichnung für Zivilpersonen ist.
 
Sein gesellschaftliches und kulturelles Engagement in der neuen Heimat war umfassend. Er setzte sich tatkräftig für die Pflege klasssicher Musik ein und war unter anderem Gründungsmitglied sowie Vorsitzender der Symphonie St. John wie auch Vorsitzender des Neubraunschweiger Jugendorchesters. Ebenso wirkte er als Freund und Förderer vieler lokaler Künstler. Er war bei der freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Westfield aktiv und entwarf den Plan für das Schulgebäude von Westfield. Außerdem war er viele Jahre Vorstandsmitglied des Museums New Brunswick, welches unter anderem in einer kleinen Ausstellung zu Überlebenden des Holocausts einen Teil der Familienbibliothek der Duschenes inkorporierte. Nach Kriegsende waren Familienmitglieder glücklicherweise des in Hamburg eingelagerten Familienbesitzes wieder habhaft geworden. Einige Jahre vor seinem Tod in St. John im Alter von 96 Jahren (2014) war es Rolf Duchenes eine große Freude, als Vorsitzender den Veranstaltungen zur Verleihung der kanadischen Staatsbürgerschaft beiwohnen zu können. Der Architekt deutscher Herkunft hat Kanada bzw. Neubraunschweig mit seinem Wissen, seiner Begabung und seiner Liebe zur Kunst nachhaltig verändert.