Der Boyce Market
Deutsche Spuren in New Brunswick

  • Boyce Market © Goethe-Institut Montreal
    Boyce Market
  • Black Forest Bakery © Goethe-Institut Montreal
    Black Forest Bakery

Deutsche Markthändler auf dem Boyce Market

Der „Boyce Market“ in der „George Street“ gehört zu den besten Bauernmärkten Kanadas mit frischem Obst und Gemüse, biologischem Fleisch, Wurst und Käse sowie hochwertigen saisonalen Erzeugnissen und lokalem Kunsthandwerk. Auch Touristen und Einheimische tummeln sich gerne samstagvormittags auf dem teils überdachten, teils unter freiem Himmel stattfindenden Markt, weil dieser ein schöner Treffpunkt ist, um einen Kaffee zu trinken, sich zu unterhalten oder etwas Leckeres zu essen.

 Das kulinarische Angebot ist vielseitig. Die deutschen Bäcker, Metzger und Imbissbuden sind ein besonders traditionsreicher und charakteristischer Teil des Marktes. Der Schinken von Elke, das Kassler oder die Weißwurst von Adolf oder der Speck und das frische Roggenbrot von Rudolph sind ein Gedicht! In der Markthalle finden Sie auch den Verkaufsstand von „Winegarden Estate Winery & Distillery“. Folgen Sie Ihrer Nase nach draußen zu den Imbissbuden mit Grillwurst oder Schnitzel mit Brötchen und halten Sie auch Ausschau nach den Anbietern auf den unten beigefügten Webseiten! Kunsthandwerk ist beispielsweise mit einem Uhrenmacher, einem Kunstschmied und dekorativen Gestecken aus Trockenblumen vertreten. Die deutschen Händler sind aus den verschiedensten Regionen eingewandert, zum Beispiel aus dem Schwarzwald, dem Bodensee und Kaiserstuhl, Bayern, Sachsen oder Norddeutschland.
 
Wenn Sie auf das Marktgebäude in der „George Street“ zugehen, achten Sie bitte auf die Wegweiser, die zum Markt führen und an einem geschwungenen und mit Schnörkeln verzierten Eisenposten hängen. Diese Schilder wurden von Veit Weber hergestellt. Seit 1985 kommt der Kunstschmied auf den Markt, um sein Angebot vorzustellen. Ganz nach Kundenwunsch fertigt er zum Beispiel maßgeschneiderte Geländer, Tore, Wegweiser mit Ornamenten, Posten, schmiedeeiserne Lampen, dekorative Spiegel und dergleichen an. Als Veit Weber 1984 mit seiner Frau und einigen anderen Gleichgesinnten auf der Suche nach einem alternativen Leben auswanderte, hatten die Ostküste und Neubraunschweig mit ihren relativ günstigen Landpreisen gelockt und die Wahl fiel letztendlich auf die Stadt Fredericton mit ihrem historischem Charme. Ausgerüstet mit einem Businessplan und einem alten Amboss von 1901, zog er mit seinem Haushalt nach Millville. Dort wollte er die Tradition der Schmiedearbeit, die sein Großvater seit 1920 in Remscheid betrieben hatte und die sich schon seit Jahrzehnten der Automatisierung in der Stahlindustrie hatte anpassen müssen, als Kunstschmied fortführen.
 
Erlernt hat Veit Weber das Handwerk von seinem Vater in vierjähriger Lehrzeit, nach einer siebenjährigen Berufserfahrung als Krankenpfleger in der Psychiatrie, während der er immer wieder im väterlichen Betrieb ausgeholfen hatte. Dank einer Subvention für neue Unternehmen der Provinz Neubraunschweig konnte Veit Weber seinen Betrieb aufbauen. Die vor allem von Holz dominierte Baukultur Neubraunschweigs war aber mit dem Schmiedehandwerk nicht vertraut und so war Werbung auf lokalen Handwerks- und Kunstmessen, unter anderem in Mactaquac, für sein Geschäft sehr wichtig. Aufträge von der Stadt ermöglichten Veit Weber, sich einen Ruf aufzubauen und in Fredricton seine Handschrift zu hinterlassen, zum Beispiel mit dem Tor in der „Kingstreet“ neben dem Restaurant „Brewbakers“, mit den Bänken und der Sonnenuhr vor dem „New Brunswick College of Craft and Design” sowie mit den erwähnten Wegweisern zum Boyce Markt. 
 
Seit 1993 ergänzt er seine Arbeit als Kunstschmied mit der Lehre der buddhistischen Philosophie. Er ist als buddhistischer Kaplan in Strafvollzugsanstalten der Provinz tätig und kümmert sich um Insassen, die die Religion des Buddhismus ausüben. Von Zeit zu Zeit unterrichtet er für das Renaissance College der Universität New Brunswick in Seminaren, die sich mit verschiedenen Religionen befassen. Seinem Wunsch nach einem einfachen Lebensstil, in dem immaterielle Werte wie Zeit und Raum Vorrang haben, ist er treu geblieben.
 
Der Durchbruch zur Dazugehörigkeit erfolgte für Veit Weber ironischerweise nach einem schlimmen Schicksalsschlag im Jahr 1987. Als sein Haus in Milville abbrannte, waren es Nachbarn, die seiner Frau das Leben retteten und ihm halfen. Diese Erfahrung von Menschlichkeit und Verständnis, so Veit Weber, habe alles verwandelt und ihn enorm angespornt. Halten Sie unbedingt Ausschau nach seinem Stand auf dem Boyce Markt!