The Rose House Museum in Waupoos
Deutsche Spuren in Ottawa

  • Das Rose House Museum in Waupoos Diane Denyes-Wenn, Rose House Museum
    Das Rose House Museum in Waupoos
  • Gedenktafel in Marysburgh © Diane Denyes-Wenn, Rose House Museum
    Gedenktafel in Marysburgh

Das Rose House Museum in Waupoos

Waupoos liegt im Osten der malerischen Halbinsel Prince Edward County am Ontario See. Ed Neuser, ein deutschstämmiger Fräser, der 1957 nach Kanada kam, pflanzte hier 1993 die ersten Weinstöcke und war damit der Wegbereiter für eine blühende Weinindustrie. Heute sind die süffigen Weine aus Prince Edward County ein Geheimtipp unter Weinliebhabern.

Ed Neuser war nicht der erste Deutsche, der sich auf Prince Edward County niederließ. Es gibt hier auch alteingesessene Familien, die deutsche Vorfahren haben, wie zum Beispiel die Minakers (Meinecke/Moennecke), die Bonhards (Bangert) oder die Demhardts. Vor mehr als 200 Jahren war das damals noch unwirtschaftliche Gebiet um Waupoos von deutschstämmigen Pioneeren erschlossen worden, die unter äußerst harten Umständen den Wald rodeten, um die Gegend für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Es handelte sich um Söldner aus dem Regiment des Prinzen Friedrichs, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der Loyalisten gekämpft hatten und denen von der englischen Krone Land in Marysburgh (Prince Edward County) zugesagt worden war. Sie hatten unter Leitung ihres ehemaligen Vorgesetzten Baron Gottlieb Christian von Reitzenstein auf dem Sankt-Lorenz-Strom die beschwerliche Reise von Lachine nach Cataraqui, dem heutigen Kingston, unternommen. Am Ende der Reise war von ihrer einst so schmucken Uniform nicht mehr viel übrig und als sie in Cataraqui noch weitere Monate ausharren mussten, da ihre Grundstücke in Marysburgh noch nicht vermessen waren, sank auch die Moral der zerlumpten Truppe auf einen Tiefststand. Als die 29 Männer, sieben Frauen und acht Kinder am 4. Oktober 1784 schließlich das ihnen zugeteilte Gebiet erreichten, blieb gerade noch Zeit, einige Hütten zu errichten, um sich notdürftig vor dem bald einbrechenden Winter zu schützen. 
 
Marysburgh lag am Ende der britischen Versorgungskette und bei den Siedlern waren die Lebensmittel knapp. Baron von Reitzenstein setzte sich daher unaufhörlich bei Vertretern der englischen Krone bis hin zum Gouverneur für die Siedler ein, die unter erbärmlichen Bedingungen ums Überleben kämpften. Seine Bitten wurden jedoch nicht erhört und, da er sich, um den Siedlern zu helfen, stark verschuldet hatte, wurde sein Anteil von 600 Hektar gepfändet. Er verließ daraufhin Marysburgh und ging nach Quebec, wo er 1794 verstarb.
 
Bald nach ihrer Ankunft bauten die Siedler ein kleines Gotteshaus. Das Bauholz war vom Sägewerk in Cataraqui zu ihnen herüber geschwemmt worden. Doch die Gemeinde war zu klein, um einen eigenen Pastor zu unterhalten und die Luther-Kirche wurde deshalb gegen 1800 abgerissen. Der britische Loyalist Peter Rose hatte das Grundstück, das neben der Luther-Kirche lag, einem deutschstämmigen Söldner abgekauft, der für das harte Leben in Marysburgh nicht geschaffen war. Seine Frau Christina Bongard erhielt zu ihrer Hochzeit mit Peter Rose als Mitgift 25 Hektar Land, die an dessen Grundbesitz angrenzten. Das Kiefernholz aus dem Abriss der Luther-Kirche diente Peter und Christina für den Bau ihres Bauernhofs, der heute noch existiert. Hinter dem Haus liegt der Rose Friedhof, dessen ursprünglicher Name „The Old Dutch Burying Ground" den deutschen Friedhof bezeichnete. Seit 1964 ist das Rose House ein Museum. Das Haus, das über eine langgezogene Veranda betreten wird, ist außer einigen geringfügigen Änderungen in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Aber der auf Holz gemalte deutsche Willkommensgruß am Eingang wurde erst später angebracht und gehört nicht zur Originalausstattung. Eine Plakette an der Straße vor dem Museum erinnert an die tapferen deutschsprachigen Söldner aus dem Prinz Friedrich Regiment, die unter der Leitung von Baron von Reitzenstein die Gemeinde Marysburgh gründeten.