Werner Ernst Noffke
Deutsche Spuren in Ottawa

  • Haus von W.E. Noffke © Goethe-Institut Montreal
    Haus von W.E. Noffke
  • Haus von W.E. Noffke © Goethe-Institut Montreal
    Haus von W.E. Noffke
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    Haus von W.E. Noffke

Werner Ernst Noffke: Ottawas Architekt

W.E. Noffkes Bauten, zu denen neben Wohnhäusern auch prächtige Kirchen, Krankenhäuser, Schulen und andere Dienstleistungs- und Geschäftsgebäude gehören, prägen das Stadtbild Ottawas. Der vielseitige Architekt hinterließ etwa 200 mit viel Liebe zum Detail entworfene und ausgestattete Gebäude, die überall in der Stadt verstreut sind.

Am 19. Juni 2012 wurde eine Plakette enthüllt, um den „Clemow Estate East", der seit 2011 unter Denkmalschutz steht, feierlich zu würdigen. Die Plakette befindet sich am Patterson's Creek, im Park neben der Clemow Avenue und würdigt W.E. Noffke, der hier in den 1920er Jahren mit dem Bau von 10 Wohnhäusern beauftragt worden war. Während W.E. Noffke mehrere im Hang gelegene mit Fachwerk oder Bruchsteinen geschmückte Wohnhäuser der malerischen Umgebung anpasste, stechen einige im neokolonialistischen Stil entworfene weiße Prachtbauten mit Walmdächern und glasierten roten Dachziegeln durch ihre Eleganz und Farbe aus der schlichten, ruhigen Naturkulisse hervor. Sein eigenes Haus am Patterson Creek versah W.E. Noffke mit den für ihn typischen Merkmalen: dekorativem Mauerwerk zum Ausarbeiten und Verzieren der Tür- und Fensteröffnungen, über die Außenwand herausragendem Schornstein, Dreieckgiebeln und roten Dachziegeln. Die über der Veranda thronende Dachgaube dient dazu, Licht und Luft und somit die Natur nach innen zu holen, während das reich dekorierte Innere des Hauses mit seinen Holztäfelungen und Bleiglasfenstern eine gemütliche Wärme ausstrahlt.
 
W.E. Noffke wurde am 9. April 1877 in Pommern geboren und kam 1883 als kleiner Junge mit seiner Familie nach Ottawa. Er besuchte die deutsche Schule auf der Wilbrod Straße, die der Evangelischen St. Paul Kirche angeschlossen war. Mit 14 begann er eine Lehre bei dem aus Thüringen stammenden Architekten Adam Harvey (1845-1918), der im Jahre 1887 den ursprünglichen Holzbau der St. Paul Kirche durch ein größeres Gotteshaus im neogotischen Stil ersetzt hatte. Nach Beendigung seiner Lehre arbeitete W.E. Noffke für den Architekten Moses Chamberlain Edey, bei dem er neben dem gotischen und romanischen Stil auch andere Stile kennenlernte. 1901 machte sich der junge Architekt selbständig und wurde als erstes mit dem Bau eines Wohnblocks mit sechs Mietwohnungen beauftragt. In dem kleinen Ottawa kannte man sich untereinander und noch im gleichen Jahr erhielt Noffke, dem der Ruf eines talentierten Architekten vorauseilte, den Auftrag zum Bau weiterer Häuser. Zu Noffkes Zeit gab es in Kanada noch kein strukturiertes Ausbildungsprogramm für Architekten. Wer sich nicht leisten konnte in den USA oder in Europa zu studieren, musste wie Noffke zusätzlich zur Ausbildung Kurse in Kunstwissenschaft und angewandter Kunst belegen, die in der Provinz Ontario vom  Bildungsministerium reguliert waren. 1907 wurde der örtliche Verband der „Ontario Association of Architects“ gegründet, als dessen Präsident W.E. Noffke von 1910-1911 fungierte.
 
Das Schaffen des überaus produktiven Architekten, der sich keinem bestimmten Stil unterwarf, war nicht auf Ottawa begrenzt. Im restlichen Ontario gibt es unter anderem mehr als 20 Noffke-Kirchen, während von ihm entworfene Schulen in ganz Kanada zu finden sind. Shannon Ricketts' Buch, „Werner Ernst Noffke: Ottawa's Architect“, enthält eine vollständige Liste der noch existierenden Noffke-Bauten sowie Abbildungen und Straßenverzeichnisse.