Das „Château Haldimand“
Deutsche Spuren in Québec City und Umgebung

  • Das heutige Château Frontenac © Goethe-Institut Montreal
    Das heutige Château Frontenac
  • Château Frontenac © Goethe-Institut Montreal
    Château Frontenac
  • Château Frontenac © Goethe-Institut Montreal
    Château Frontenac

Das „Château Haldimand“ (heute: „Château Frontenac“) in Quebec

Das „Château Frontenac“ ist zweifellos eines der symbolträchtigsten Architekturdenkmäler der Stadt Quebec. Das „Château“, mit dessen Bau 1893 begonnen wurde, zählt eher zur jüngeren Geschichte der Stadt. Zuvor befand sich ein anderes Schloss an diesem Ort: das „Château Haldimand“. Im 18. und 19.Jahrhundert war dieses Gebäude Zentrum der Politik und Verwaltung der Provinz Quebec und seine Geschichte steht im Zusammenhang mit der deutschsprachigen Welt.

Zu Beginn des nordamerikanischen Kolonialkrieges 1754 wurde Großbritannien von König Georg II regiert, der deutscher Abstammung war. Somit war er nicht nur Herrscher Großbritanniens, sondern auch Prinz des Hauses Hannover innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Unter seiner Herrschaft rekrutierte Großbritannien zahlreiche Soldaten und Arbeitskräfte aus dem Heiligen Römischen Reich sowie benachbarten germanischen Gebieten. In diesem Kontext erhielt eine Vielzahl deutschstämmiger Soldaten den Auftrag, die britischen Truppen im Eroberungskrieg um Neufrankreich zu unterstützen. Unter ihnen befand sich der gebürtige Schweizer Frederick Haldimand, der 1756 von den Briten rekrutiert wurde.

Zu jener Zeit war er 38 Jahre alt und hatte bereits 15 Jahre in der preußischen Armee gedient. Als Oberleutnant der britischen Armee führte er wichtige Militäroperationen durch, die zur Eroberung Neufrankreichs (heutiges Quebec und weitere Gebiete Nordamerikas) beitrugen. Er war insbesondere an der Einnahme Montreals im Jahre 1760 beteiligt und als Neufrankreich dann ab 1763 endgültig an Großbritannien abgetreten wurde, hielt Frederick Haldimand zahlreiche wichtige Verwaltungsposten in jenem Gebiet inne, das zur Provinz Quebec wurde. Einige Jahre später wurde er zum offiziellen Gouverneur der Provinz Quebec ernannt und trat damit das höchste Amt in dieser britischen Kolonie an. Im Laufe seiner Amtszeit setzte er sich für die Verteidigung der Kolonie und gegen die Bedrohung eines Einmarsches der Amerikaner ein.

Zeitgleich koordinierte er, die frankofonen Sprachenrechte bewahrend, die Besiedlung der Provinz durch britische Loyalisten. Durch seine diplomatischen Bemühungen erzielte er ein versöhnliches Klima zwischen den ehemaligen französischen und den neuen britischen Siedlern. Eine der letzten Amtshandlungen Frederick Haldimands war die Anordnung des Baus eines Schlosses am Gipfel des Vorgebirges der Stadt Quebec, das als politisches und administratives Zentrum der gesamten Kolonie dienen sollte und den Sitz des Gouverneurs ebenso wie die Räumlichkeiten für politische Versammlungen beherbergte.

Das Gebäude wurde zwischen 1784 und 1786 errichtet. Allerdings trat Frederick Haldimand zu dieser Zeit in den Ruhestand und kehrte nach Europa zurück, wo er 1791 starb. Sein politisches Erbe ist in Kanada von großer Bedeutung, da es auf jenen Elementen basiert, die das Land auch heute noch charakterisieren: Bilingualität und die Dualität französisch-britischer Gesetze. Was das „Château Haldimand“ betrifft, so bleibt es mit seinem über ein Jahrhundert langem Bestehen – bis zu seinem Abriss 1892 und der Errichtung des heutigen „Château Frontenac“ – ein wichtiges Bauwerk der Stadt Quebec.