Das Chevalier-Haus
Deutsche Spuren in Québec City und Umgebung

  • The Chevalier House in Quebec © Goethe-Institut Montreal
    The Chevalier House in Quebec
  • The Chevalier House in Quebec © Goethe-Institut Montreal
    The Chevalier House in Quebec
  • Das Chevalier-Haus in Quebec © Goethe-Institut Montreal
    Das Chevalier-Haus in Quebec

Das Chevalier-Haus

George Pozer ist einer der wichtigsten Geschäftsmänner der Stadt Quebec am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In der Stadtgeschichte sticht er nicht nur durch sein enormes Vermögen hervor, sondern auch aufgrund seines exzentrischen Lebensstils und zahlreicher Konflikte mit der örtlichen Aristokratie.

George Pozer kam 1752 im deutschen Wilstedt in bescheidenen Verhältnissen zur Welt. Als er 21 Jahre alt war, wurde er, wie viele junge Arbeit suchende Deutsche zu dieser Zeit, von Großbritannien für den Dienst in den nordamerikanischen Kolonien rekrutiert. Deshalb zog er 1773, kurz vor dem Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, nach New York, wo er eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft betrieb und damit auch die Garnisonen der britischen Armee versorgte. 1776 heiratete er in der Kolonie New York die deutsche Staatsangehörige Magdalen Sneider. Im Jahr 1783 wurde die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten offiziell anerkannt und die Amerikaner vertrieben die Briten sowie all jene, die diese unterstützt hatten. George Pozer musste die USA mit seiner Frau und den Kindern verlassen.

So kam es, dass die Familie nach einem kurzen Aufenthalt in Europa 1785 nach Quebec übersiedelte. Da Pozer bereits über ein gewisses Vermögen verfügte, kaufte er einen Lebensmittelladen und wurde noch reicher. Außerdem initiierte er die Einführung eines Systems für persönliche Darlehen an örtliche Kaufleute. Dies fand zu einer Zeit statt, in der das Netz an Banken in Quebec noch nicht ausgebaut war. Schnell kam George Pozer zu einem Reichtum, der ihm erlaubte allmählich mehrere Immobilien in Quebec ebenso wie Herrschaftssitze außerhalb der Provinz zu kaufen. Im Jahre 1817, im Alter von 65 Jahren, war George Pozer zu einem der reichsten Geschäftsmänner der Stadt und der Provinz Quebec avanciert. Er verfügte über mehrere Betriebe in der Hauptstadt der Provinz, Ackerflächen auf dem Land und Sägewerken in den Waldgebieten. Zudem stellte er lokale Arbeiter ein und ließ ungefähr 200 Immigranten aus Deutschland kommen, um in seinen Anlagen zu arbeiten.

Aufgrund seines niedrigen Bildungsniveaus wies George Pozer alle Verhaltensweisen eines Neureichen seiner Zeit auf. Mit den Konventionen der Männer seines Status brechend, umgab er sich mit einem weiten Kreis aus Fabrikarbeitern und kleinen Kaufleuten. In seinem Haus und seinen Geschäften verkehrten stets Leute aus bescheidenen Verhältnissen, unter die er sich mischte. Aus diesem Grund blieb George Pozer am Rande der britischen und lokalen anglikanischen Elite. Um seine Andersartigkeit zu betonen, kleidete er sich nach der früheren Mode des 18. Jahrhunderts.

Unter den Gebäuden, die George Pozer besaß, ist das Chevalier-Haus („Maison Historique Chevalier“) sicherlich eines der symbolträchtigsten. Dieses Gebäude (1752 für den Werfteigentümer Jean-Baptiste Chevalier erbaut) wurde 1807 von George Pozer gekauft, der daraus ein Hotel mit einem kleinen Gasthof, dem „London Coffee House“, machte. Diesen Titel behielt das Gebäude während des 19. Jahrhunderts und sogar bis nach George Pozers Tod. Heute ist es ein der Öffentlichkeit zugängliches historisches Haus. Mit ein bisschen Fantasie kann man an diesem Ort noch immer die Präsenz des exzentrischen Hausbesitzers aus früheren Zeiten, der sich in seinem Gasthof mit großer Freude mit Leuten aus dem Volk umgab, spüren.

Zu erwähnen ist darüber hinaus, dass sich auch in der Gemeinde von Saint-Georges, circa 100 Kilometer südlich von Quebec, ein Denkmal befindet, das in Verbindung mit dieser historischen Persönlichkeit steht. Dabei handelt es sich um das herrschaftliche William-Miburn-Pozer Anwesen, das George Pozer auf einem der Herrensitze im Besitz seines Vaters 1879 erbauen ließ.

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