Deutsche Söldner in Quebec
Deutsche Spuren in Québec City und Umgebung

  • Die Gedenktafel auf den „Plaines d’Abraham“ © Goethe-Institut Montreal
    Die Gedenktafel auf den „Plaines d’Abraham“
  • Die Gedenktafel auf den „Plaines d’Abraham“ © Goethe-Institut Montreal
    Die Gedenktafel auf den „Plaines d’Abraham“
  • Friedhof der Saint-Matthews Kirche © Goethe-Institut Montreal
    Friedhof der Saint-Matthews Kirche

Deutsche Söldner in Quebec

Am Ende des 18. Jahrhunderts war die Provinz Quebec eine Kolonie Großbritanniens, das damals auch viele andere Regionen Neuenglands kontrollierte. Diese Situation blieb bis 1775, dem Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, vorherrschend. Während die revolutionären Amerikaner Neuenglands für die Abspaltung Großbritanniens kämpften, versuchten sie auch in die Provinz Quebec einzudringen. Kämpfe zwischen amerikanischen Revolutionären und der britischen Armee fanden auch in Montreal und dann in der Stadt Quebec statt. Als die militärischen Ressourcen erschöpft waren, musste die britische Obrigkeit deutsche Söldner engagieren, um sich zu verteidigen.

In diesem Kontext kamen circa 100 deutsche Söldner im Laufe der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts in Quebec an. Ihr Kommen war für die Briten, die dann die amerikanischen Revolutionäre zurückdrängen konnten, von Vorteil. Die Beteiligung der deutschen Söldner hat erheblich dazu beigetragen, dass Kanada von Amerika getrennt als politisches Ganzes bestehen blieb. Daher ist die Ankunft der Söldner mit dem Kontext der Amerikanischen Revolution verknüpft, denn viele von ihnen ließen sich längerfristig in Quebec nieder und integrierten sich mit der Zeit in die Gesellschaft Quebecs. Einige Orte in Quebec erinnern sinnbildlich an dieses geschichtliche Erbe der aus Deutschland stammenden Söldner.

Die Gedenktafel auf den „Plaines d’Abraham“

2009 hat die kanadische Regierung eine Gedenktafel auf den „Plaines d’Abraham“, den Schlachtschauplätzen der Abraham-Ebene, errichtet, um die Beteiligung deutscher Söldner an der Verteidigung Kanadas während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges offiziell zu würdigen. Diese Tafel wurde aufgrund einer gemeinsamen Anfrage deutscher Institutionen in der Provinz Quebec und den Vertretern der „Société historique de Québec“ angebracht. Die „Plaines d’Abraham“ stellen heute einen wichtigen Ort der Stadt Quebec dar, weil es sich um einen weiten geschichtsträchtigen Raum handelt, der mit Militäroperationen assoziiert wird.

Die Saint-Matthews Kirche

Diese Kirche befindet sich im Stadtviertel Saint Jean-Baptiste im Zentrum Quebecs und der umfriedete Pfarrbesitz beherbergt als Besonderheit den ersten protestantischen Friedhof der Stadt Quebec, der 1772 öffnete. Die Nutzung dieses Friedhofs – in einer größtenteils katholischen und französischsprachigen Stadt – war zunächst der protestantischen Minderheit und der lokalen anglophonen Bevölkerung vorbehalten. Im Laufe der Jahre wurden dort auch deutschsprachige Protestanten begraben, unter denen sich deutsche Söldner befanden. Interessierte Besucher können auf den Gedenksteinen des Friedhofs mehr dazu erfahren.

Das „Hôtel-Dieu de Québec“

Zusätzlich zu den Söldnern rekrutierte Großbritannien auch Ärzte aus Deutschland, die für die Verpflegung des Militärs zuständig waren. Dies führte zur Niederlassung von deutschen Ärzten in Quebec, die bekanntermaßen eine wichtige Rolle in der örtlichen Geschichte spielten. Unter ihnen war auch Frederick William Olivia, der 1749 in Deutschland geboren wurde und 1796 in Quebec verstarb. Dieser Arzt wirkte im Besonderen im Zuge der Quarantäne-Maßnahmen, um die durch die europäischen Immigranten mitgebrachten Epidemien einzudämmen. Unter den bedeutenden Figuren der Medizingeschichte der Stadt findet sich ebenfalls Anthony Von Iffland, der 1798 in Quebec als Sohn eines deutschen Arztes geboren wurde und dort 1798 verstarb. Seine Karriere in Quebec war besonders von der Entwicklung chirurgischer Techniken und Anatomiekursen geprägt. Diese beiden Ärzte können, wie viele andere, mit dem historischen Ort des „Hôtel-Dieu de Québec“ in Verbindung gebracht werden, das zu deren Lebzeiten eines der größten Krankenhäuser der Stadt war.

 Webseite der "Pleines d'Abraham"
 Enclos paroissial Saint-Matthew